Islandpferde: Herkunft, Wesen und Merkmale der Rasse

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 7 Min. Lesezeit
Ein schwarz-weiß gescheckter Islandpferd-Wallach steht seitlich auf einer Weide und blickt zur Kamera

Wer zum ersten Mal einem Islandpferd begegnet, bemerkt zuerst die dichte Mähne, den kräftigen Hals und den wachen Blick. Isländer wirken kompakt und zugleich ungemein selbstbewusst. Dieses Bild stimmt: Die Rasse ist über Jahrhunderte unter harten Bedingungen entstanden und hat sich zu einem der vielseitigsten Freizeitpferde der Welt entwickelt. In diesem Beitrag lernst du Herkunft, Körperbau und Wesen der Islandpferde kennen – und verstehst, warum so viele Reiter in Deutschland von ihnen begeistert sind.

Eine Rasse, die auf einer Insel entstand

Die Vorfahren der heutigen Islandpferde kamen mit den ersten Siedlern nach Island, in der Zeit der Landnahme ab etwa 870. Die Menschen brachten Pferde auf ihren Schiffen mit, weil sie Reit-, Pack- und Zugtiere brauchten. Auf der abgelegenen Insel entwickelte sich daraus eine eigene Population. Wie es dazu kam, dass die Rasse bis heute so einheitlich geblieben ist, erzählen wir ausführlicher in unserem Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.

Entscheidend war ein einfaches Prinzip: Es wurden keine fremden Pferde mehr eingeführt. Das Islandpferd gilt deshalb als besonders reinrassig. Dazu kommt die natürliche Auslese. Nur Tiere, die Kälte, Wind, Vulkanasche und karge Weiden überstanden, gaben ihre Anlagen weiter. Das erklärt Robustheit, Futterverwertung und Gesundheit, die viele Isländer bis ins hohe Alter auszeichnen.

Körperbau und typische Merkmale

Islandpferde sind klein, aber nicht zierlich. Typisch sind:

  • ein kräftiger, kompakter Körper mit tiefem Brustkorb,
  • ein ausdrucksvoller Kopf mit großen, freundlichen Augen,
  • eine lange, dichte Mähne und ein voller Schweif,
  • starke, trockene Beine mit harten Hufen,
  • im Winter ein sehr dichtes, mehrschichtiges Fell.

Mit einem Stockmaß von meist rund 130 bis 145 Zentimetern liegen die Tiere an der Grenze zwischen Pony und Pferd. Offiziell gelten Islandpferde dennoch als Pferde, nicht als Ponys. Alle Details zu Größe, Gewicht und Alter findest du im Beitrag über Größe und Lebenserwartung.

Besonders auffällig ist die Vielfalt der Farben. Von Fuchs über Rappe und Schimmel bis zu Falben und Schecken ist fast alles vertreten – mehr dazu in unserer Übersicht der Islandpferde-Farben.

Die fünf Gangarten

Was Islandpferde von den meisten anderen Rassen unterscheidet, ist ihr Gangrepertoire. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrschen viele Isländer den Tölt, manche zusätzlich den Pass. Der Tölt ist ein Viertaktgang, bei dem das Pferd praktisch ohne Erschütterung läuft. Reiter empfinden ihn als sehr bequem, deshalb ist er für viele der Hauptgrund, sich für diese Rasse zu entscheiden. Einen Überblick gibt der Beitrag zu den fünf Gangarten.

Wesen und Charakter

Islandpferde gelten als menschenbezogen, neugierig und selbstständig. Sie sind Herdentiere mit einer klaren Rangordnung und sozialem Verhalten, das man in Gruppenhaltung gut beobachten kann. Typisch sind:

  • Selbstbewusstsein: Ein Isländer prüft, was man von ihm verlangt, und erwartet klare, faire Kommunikation.
  • Nervenstärke: Viele Tiere bleiben auch in ungewohnten Situationen ruhig, weil sie in Island früh an Wetter und Gelände gewöhnt wurden.
  • Arbeitsfreude: Die meisten Pferde gehen gern nach vorn und sind gleichzeitig zuverlässig.
  • Sensibilität: Trotz ihrer Robustheit reagieren sie fein auf Hilfen und merken sofort, wenn der Reiter unsicher ist.

Diese Mischung macht sie zu verlässlichen Partnern für Freizeit, Wanderritt und Sport. Gleichzeitig sollte man das Temperament nicht unterschätzen. Ob die Rasse auch für Einsteiger passt, klärt der Beitrag Islandpferd für Anfänger.

Wofür werden Islandpferde genutzt?

Die meisten Islandpferde in Deutschland sind Freizeitpferde. Sie eignen sich für Ausritte im Gelände, für Wanderritte, für den Reitunterricht und – bei guter Veranlagung – für den Turniersport. Für den Sport gibt es eigene Prüfungen für Tölt, Pass und Viergang, die der Dachverband IPZV e. V. in Deutschland organisiert; international koordiniert die Föderation FEIF die Regeln der Islandpferdevereine. Wer in dieser Szene aktiv wird, trifft auf eine große, lebendige Gemeinschaft aus Reitern, Züchtern und Ausbildern.

Auch Kinder und leichte Erwachsene reiten gern Isländer. Wegen ihrer Kraft tragen die Tiere trotz ihrer Größe oft mehr, als man vermuten würde. Das Gewicht des Reiters sollte dennoch zum Pferd passen, und Anfänger sollten im Zweifel eine Reitlehrerin oder einen Trainer um Rat fragen.

Was Halter wissen sollten

Die Robustheit der Rasse hat eine Kehrseite: Isländer sind sogenannte Leichtfuttrer. Auf zu üppigen Weiden neigen sie zu Übergewicht und im schlimmsten Fall zu Hufrehe. Auch das Sommerekzem, eine allergische Reaktion auf Insektenstiche, betrifft Islandpferde außerhalb Islands besonders häufig. Beide Themen behandeln wir ausführlich in den Beiträgen zur Fütterung und Hufrehe und zum Sommerekzem.

Artgerecht gehalten sind Islandpferde sehr unkompliziert. Sie lieben Bewegung, Gesellschaft und Weidegang. Wer ihnen das bietet, bekommt einen langlebigen, treuen Begleiter. Eine Möglichkeit, das passende Haltungssystem zu finden, zeigt der Beitrag zum Offenstall.

Kurz beantwortet

Sind Islandpferde Ponys? Nein. Trotz eines Stockmaßes von meist 130 bis 145 Zentimetern gelten sie offiziell als Pferde. Entscheidend sind Körperbau, Proportionen und Temperament, nicht allein die Größe.

Wie viele Gangarten haben Islandpferde? Fünf sind möglich: Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass. Viele Pferde zeigen vier Gangarten, weil nicht jedes Tier den Pass beherrscht. Ob ein Pferd ihn hat, ist eine Frage von Veranlagung und Ausbildung.

Können Islandpferde ganzjährig draußen leben? In der Regel ja, wenn Unterstand, Raufutter und frostfreies Wasser vorhanden sind und die Herde passt. Ihr dichtes Winterfell schützt gut vor Kälte, aber nicht vor Dauernässe und Zugluft. Individuelle Unterschiede bleiben: Alte, kranke oder sehr dünne Tiere brauchen oft mehr Schutz.

Sind Islandpferde für Kinder geeignet? Es gibt viele kinderfreundliche Isländer, aber das einzelne Pferd muss zum Kind passen. Wichtig sind Gelassenheit, Ausbildung und eine fachkundige Begleitung beim Reiten.

Fazit

Islandpferde sind kleine Kraftpakete mit großem Herz: robust, langlebig, freundlich und dank des Tölts ungewöhnlich bequem zu reiten. Wer sich für die Rasse interessiert, sollte sich Zeit nehmen, Tiere persönlich kennenzulernen, und sich bewusst machen, dass auch ein „kleines" Pferd Verantwortung, Platz und Fachwissen verlangt. Die nächsten Schritte findest du in unseren Ratgebern zum Kauf eines Islandpferdes und zu den laufenden Kosten.

Bildnachweis: Titelbild von Elma, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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