Islandpferde-Farben: Von Fuchs über Falbe bis Schecke

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 7 Min. Lesezeit
Ein junges falbfarbenes Islandpferd steht auf einer trockenen Wiese, im Hintergrund weitere Pferde in verschiedenen Farben und ein Hund

Kaum eine Rasse zeigt so viele Fellfarben wie das Islandpferd. Auf einer Weide mit zehn Isländern findest du leicht zehn verschiedene Töne: dunkle Rappen, strahlende Füchse, silbrige Schimmel, cremefarbene Falben und bunte Schecken. Dieser Beitrag erklärt, welche Farben es gibt, wie du sie unterscheidest und warum die Vielfalt in der Rasse so groß ist.

Warum gibt es so viele Farben?

Die Farbvielfalt hat historische Gründe. Die Siedler brachten Pferde in unterschiedlichen Farben mit nach Island. Weil später keine Pferde mehr eingeführt wurden, blieb die Genetik der Population erhalten, und die Zucht legte nie so strikt wie bei manchen anderen Rassen fest, dass nur bestimmte Farben erwünscht sind. Je nach Zählweise unterscheidet man bei Islandpferden mehr als hundert Farbvarianten und -abstufungen. Wer die Hintergründe der Rasse verstehen will, findet sie im Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.

Die Grundfarben

Alle Fellfarben gehen auf wenige Grundfarben zurück, die durch weitere Gene verändert werden.

  • Rappe: schwarzes Fell, Mähne und Schweif ebenfalls schwarz. Im Sommer können Rappen durch Sonne bräunlich ausbleichen.
  • Brauner: braunes Fell mit schwarzen Beinen, Mähne und Schweif.
  • Fuchs: rotbraunes Fell, Mähne und Schweif ähnlich oder heller. Bei Isländern ist Fuchs mit heller, fast blonder Mähne („Hellmähne") sehr beliebt.
  • Schimmel: Pferde, die mit dunklerem Fell geboren werden und im Lauf der Jahre immer heller bis weiß werden.

Aus diesen Grundfarben entstehen durch Aufhellungsgene und Scheckungsmuster die besonderen Farben, die man bei Islandpferden sieht.

Falben und Isabellen

Besonders typisch für Islandpferde ist die Falbfärbung. Falben haben ein sandfarbenes oder gelbliches Fell. Dazu gehört häufig ein dunkler Aalstrich, also ein Streifen entlang der Rückenlinie. Je nach Ausprägung unterscheidet man Gelbfalben, Rotfalben (Red Dun) oder Mausfalben mit grauem Fell. Dazu kommen Isabellen mit cremefarbenem Fell. Palominos haben ein goldfarbenes Fell mit heller Mähne.

Diese Farben sind bei Käufern beliebt, sollten aber nicht der einzige Maßstab sein. Beim Kauf zählen Gesundheit, Charakter und Gangveranlagung viel mehr als das Fell. Entscheidende Kriterien nennt unser Kaufratgeber.

Schecken: Tobiano, Overo und mehr

Schecken zeigen große weiße Flächen auf farbigem Grund. Bei Islandpferden sind besonders zwei Muster bekannt:

  1. Tobiano: Die weißen Flächen verlaufen meist vertikal über den Rücken. Beine sind häufig weiß, der Kopf ist meist farbig mit Abzeichen.
  2. Overo: Die weißen Flecken liegen eher an den Flanken und am Bauch. Der Rücken bleibt häufig farbig, der Kopf ist oft stark weiß.

Dazu kommen Mischformen und weitere Muster, die auch Experten nicht immer eindeutig zuordnen. Wer ein Tier mit ungewöhnlicher Scheckung hat, kann das Farbbild bei Zuchtverbänden prüfen lassen.

Abzeichen: Blesse, Stern und Socken

Neben der Grundfarbe prägen Abzeichen das Aussehen. Am Kopf unterscheidet man Stern, Strich, Blesse, Schnippe und Laterne. An den Beinen heißen weiße Abzeichen Fessel, Krone, Sock oder Stiefel. Auch Wirbel im Fell, Flecken oder ein Aalstrich gehören zum individuellen Erscheinungsbild. In Equidenpässen werden diese Abzeichen dokumentiert, damit das Tier eindeutig identifiziert werden kann.

Farbe und Gesundheit

Ob Fellfarbe etwas über Charakter oder Leistung verrät, ist ein verbreiteter Mythos. Nach wissenschaftlicher Kenntnis gibt es keinen belastbaren Zusammenhang zwischen Farbe und Gangveranlagung oder Wesen. Wichtig sind dagegen manche gesundheitliche Besonderheiten:

  • Helle Pferde mit rosa Haut sind sonnenempfindlicher. Nase und Abzeichen brauchen im Sommer gegebenenfalls Schutz.
  • Schimmel entwickeln im Alter häufiger Melanome (Hautveränderungen). Diese sollten regelmäßig tierärztlich kontrolliert werden.
  • Weiße Abzeichen an den Beinen können empfindlichere Haut haben, etwa bei Mauke. Gute Hufpflege und trockene Standflächen helfen.

Das Thema Sommerekzem hat mit der Fellfarbe nichts zu tun, betrifft aber viele Isländer. Mehr dazu erfährst du im Beitrag über das Sommerekzem.

Farbwechsel im Jahresverlauf

Viele Besitzer wundern sich, dass ihr Pferd im Winter ganz anders aussieht als im Sommer. Das dichte Winterfell ist oft dunkler und strukturierter, das Sommerfell kürzer und glänzender. Auch die Mähne kann sich verändern. Hintergründe zum Fellwechsel erklärt der Beitrag Fellwechsel beim Islandpferd.

Kurz beantwortet

Welche Farbe ist bei Islandpferden am häufigsten? Die Verteilung unterscheidet sich je nach Zucht und Region. Füchse, Braune und Rappen sind sehr verbreitet, dazu kommen zahlreiche Falb- und Schecktöne. Eine verlässliche Gesamtstatistik gibt es nicht, deshalb verzichten wir auf Prozentzahlen.

Ändert sich die Farbe im Lauf des Lebens? Ja. Schimmel werden mit den Jahren heller, Fohlen tragen oft ein anderes Haarkleid als erwachsene Tiere, und im Sommer bleichen dunkle Pferde aus. Auch das Winterfell kann einen anderen Ton haben als das Sommerfell.

Wie finde ich die genaue Farbe meines Pferdes heraus? Im Equidenpass ist die Fellfarbe eingetragen. Bei Unsicherheit helfen Zuchtverbände oder ein Gentest, der bestimmte Farbgene nachweist. Gerade bei Falben, Isabellen und Schecken führen Laien Farben gern zusammen, die genetisch unterschiedlich sind.

Sind Schecken seltener gesund? Nein. Scheckung allein sagt nichts über Gesundheit aus. Bei hellen Abzeichen und rosa Haut ist aber Sonnenschutz sinnvoll.

Kann man Farben gezielt züchten? Teilweise ja, weil viele Farben auf bekannten Genen beruhen. Seriöse Züchter stellen aber Gesundheit, Wesen und Gangveranlagung vor die Farbe.

Praxistipp: Wenn du ein Pferd wegen seiner Farbe auswählst, schau dir trotzdem Gesundheit, Wesen und Gänge in Ruhe an. Mit Farbfotos aus Anzeigen lässt sich vieles beschönigen, etwa durch Licht, Bearbeitung oder Fellwechsel. Besuche das Pferd besser zu verschiedenen Jahreszeiten oder lass dir aktuelle Bilder aus dem Alltag schicken, bevor du eine Entscheidung triffst.

Fazit

Islandpferde sind die Farbpalette unter den Pferderassen. Ob Fuchs mit Hellmähne, Mausfalbe mit Aalstrich oder Tobiano-Schecke – jedes Tier sieht ein wenig anders aus. Die Farbe ist ein schönes Merkmal, aber nie das wichtigste: Entscheidend bleibt, dass Charakter, Gesundheit und Haltung zu dir passen. Einen Überblick über die Rasse insgesamt bietet unser Beitrag zu Herkunft, Wesen und Merkmalen.

Bildnachweis: Titelbild von Zelman Menashi, Lizenz CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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