Kaum ein Pferd wirkt im Winter so kuschelig wie ein Islandpferd. Das Fell wird dicht, lang und flauschig, die Mähne wächst üppig. Doch dieses Fell hat nichts mit „Teddy-Optik" zu tun, sondern ist ein hochwirksamer Kälteschutz. Auch der Fellwechsel im Frühjahr ist ein spürbares Ereignis: Haare fliegen, Pferde jucken sich, und manche Besitzer fragen sich, ob alles normal ist. Dieser Beitrag erklärt, wie der Fellwechsel funktioniert und wie du dein Pferd dabei unterstützt.
Warum bekommen Islandpferde so ein dichtes Fell?
Islandpferde stammen von Tieren ab, die über Jahrhunderte unter rauen Bedingungen lebten. Das Winterfell besteht aus einer dichten Unterwolle und längeren, wasserabweisenden Deckhaaren. Es speichert Körperwärme, ohne dass das Pferd viel Energie verbrauchen muss. Selbst bei Schnee bleibt die Haut warm, weil die Luftschicht im Fell isoliert. Hintergründe zur Herkunft liefert der Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.
Auch der Stoffwechsel ist angepasst. Islandpferde nutzen Futter sehr effizient und legen im Sommer und Herbst Reserven an, die im Winter abgebaut werden. Dieses Prinzip funktioniert in unseren Breiten oft zu gut – bei reichlicher Fütterung neigen Isländer zum Übergewicht. Mehr dazu im Beitrag Fütterung und Hufrehe.
Wann findet der Fellwechsel statt?
Der Fellwechsel wird vor allem durch die Tageslänge gesteuert, weniger durch die Temperatur. Typisch sind zwei Phasen:
- Herbst: Ab Spätsommer bis Herbst wächst das Winterfell. Du siehst, wie das Fell dichter und länger wird.
- Frühjahr: Mit zunehmender Tageslänge beginnt das Pferd, das Winterfell zu verlieren. Der Fellwechsel dauert meist mehrere Wochen und kann sich bis in den Frühsommer hinziehen.
Genaue Zeiten variieren je nach Pferd, Alter, Gesundheit und Haltung. Pferde im Offenstall mit viel Tageslicht wechseln oft regelmäßiger als Pferde, die lange im Stall stehen. Auch Stoffwechselerkrankungen können den Fellwechsel verändern. Wenn das Pferd sein Fell auffällig spät verliert oder es lockig wird, solltest du den Tierarzt fragen.
Pflege im Fellwechsel
Während des Fellwechsels brauchen Pferde mehr Aufmerksamkeit:
- Regelmäßiges Putzen: Striegeln und Bürsten entfernen lose Haare und fördern die Durchblutung. Sanfte Bürsten und Gummistriegel eignen sich gut.
- Nicht zu viel scheren: Isländer brauchen ihr Fell. Scheren ist nur sinnvoll, wenn das Pferd im Winter viel arbeitet und stark schwitzt. Dann sollte danach sorgfältig eingedeckt werden.
- Haut beobachten: Achte auf Schuppen, Haarausfall in Flecken oder Hautveränderungen.
- Mähne und Schweif schonen: Nicht zu viel ziehen oder bürsten, damit die Haare nicht abbrechen. Beim Sommerekzem sind Mähne und Schweif besonders empfindlich. Hinweise im Beitrag zum Sommerekzem.
Schwitzen im Winterfell
Ein häufiges Problem: Pferde schwitzen beim Reiten unter dem dichten Fell stark. Das Fell trocknet langsam, und das Pferd kann auskühlen. Das ist vor allem im Winter wichtig. Tipps:
- Pferd langsam aufwärmen und am Schluss ausreichend Schritt reiten.
- Nach dem Reiten mit einer Abschwitzdecke trocknen lassen.
- Bei Bedarf Fell teilweise scheren, etwa nur am Hals oder am Bauch („Trace Clip").
- Nach dem Abschwitzen nicht in zugige Bereiche stellen.
Plane außerdem ein, dass Gänge durch das Fell optisch anders wirken können. Wie du Tölt und Takt sauber beurteilst, erklärt der Beitrag Tölt erklärt.
Decken im Winter?
Gesunde Islandpferde brauchen meist keine Decke, solange sie Schutz vor Nässe und Wind haben und genug Futter bekommen. Eine Regendecke kann sinnvoll sein, wenn das Pferd bei Dauerregen keinen Unterstand hat oder wenn es krank ist. Zu viel Eindecken verhindert die natürliche Fellentwicklung.
Wenn du ein Pferd mit empfindlicher Haut oder Mauke hast, achte darauf, dass das Fell trocken bleibt. Nasse Beine und Fesselbeugen sind Problemzonen. Ein Unterstand mit trockenem Boden hilft, wie der Beitrag über den Offenstall beschreibt.
Fellfarbe und Fellwechsel
Viele Besitzer überrascht, wie sehr sich Fellfarbe und Struktur im Lauf des Jahres verändern. Dunkle Pferde bleichen im Sommer aus, helle Pferde wirken im Winterfell dunkler. Die Farbe kann sich nach dem Fellwechsel verändern, ohne dass etwas nicht stimmt. Mehr zur Vielfalt im Beitrag über Islandpferde-Farben.
Wann zum Tierarzt?
Ein normaler Fellwechsel verursacht keine Beschwerden. Du solltest aber einen Tierarzt hinzuziehen, wenn:
- das Fell außergewöhnlich lang, lockig oder verfilzt wird (mögliches Zeichen für eine Stoffwechselstörung),
- der Fellwechsel stark verzögert ist,
- Haarausfall mit Juckreiz oder Entzündungen einhergeht,
- das Pferd abmagert oder Leistungseinbruch zeigt.
Besonders bei älteren Pferden kann eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse (PPID) dahinterstecken. Der Tierarzt kann das abklären.
Fütterung im Fellwechsel
Der Fellwechsel verbraucht Energie und Eiweiß. Achte auf eine ausgewogene Ration mit gutem Heu, ausreichend Mineralstoffen und Spurenelementen. Lass dich bei Bedarf von einem Tierarzt oder Futterberater unterstützen. Überfütterung ist nicht nötig; Islandpferde kommen meist mit wenig aus.
Kurz beantwortet
Muss ich ein Islandpferd im Winter scheren? In der Regel nicht. Nur wenn das Pferd im Winter regelmäßig und intensiv arbeitet und stark schwitzt, kann ein Teilschurr sinnvoll sein. Danach ist Schutz vor Kälte wichtig.
Wie lange dauert der Fellwechsel? Meist mehrere Wochen. Dauer und Verlauf hängen von Alter, Gesundheit, Haltung und Wetter ab.
Kann das Fell bei Stoffwechselkrankheiten auffallen? Ja. Ungewöhnlich langes, lockiges Fell, das nicht abgeworfen wird, kann auf Erkrankungen wie PPID hindeuten. Das sollte ein Tierarzt abklären.
Was hilft gegen Juckreiz im Fellwechsel? Regelmäßiges Putzen und gegebenenfalls ein Abklären von Parasiten. Bei starkem Juckreiz oder Hautveränderungen gehört das Pferd tierärztlich untersucht.
Fazit
Der Fellwechsel ist ein natürlicher Vorgang und zeigt, wie gut Islandpferde an wechselnde Bedingungen angepasst sind. Mit regelmäßiger Pflege, durchdachter Fütterung und einem Blick auf Gesundheit unterstützt du dein Pferd durch Herbst und Frühjahr. Beobachte Veränderungen im Fell aufmerksam – sie sind oft ein Hinweis darauf, wie es deinem Pferd geht.
Bildnachweis: Titelbild von Andreas Tille, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



