Sommerekzem beim Islandpferd: Ursachen, Symptome und Vorbeugung

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 8 Min. Lesezeit
Ein Islandpferd mit dichtem, hellbraunem Schopf frisst Heu und schaut zwischen den Haaren hindurch

Kaum eine Krankheit beschäftigt Islandpferdebesitzer in Deutschland so sehr wie das Sommerekzem. Wenn im Frühjahr die ersten Mücken auftauchen, beginnt für viele Pferde und ihre Besitzer eine anstrengende Zeit: Juckreiz, Scheuern, Haarverlust und offene Stellen. Das Sommerekzem, auch Insektenstichallergie genannt, ist gut erforscht, aber nicht heilbar. Mit konsequentem Management lässt sich das Leiden jedoch deutlich lindern. Dieser Beitrag erklärt Ursachen, Symptome und Vorbeugung. Er ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Was ist das Sommerekzem?

Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf Speichelproteine bestimmter Stechmücken, vor allem der Gnitzen (Culicoides). Beim Stich gelangen diese Proteine in die Haut. Bei empfindlichen Pferden reagiert das Immunsystem überschießend, es kommt zu starkem Juckreiz und Entzündungen. Die Erkrankung tritt saisonal auf, meist von Frühjahr bis Herbst, wenn die Insekten aktiv sind.

Warum sind Islandpferde besonders betroffen? In Island gibt es die verantwortlichen Gnitzen nicht. Isländer, die dort aufwachsen und später exportiert werden, hatten nie Kontakt zu diesen Insekten. Ihr Immunsystem ist darauf nicht vorbereitet. Pferde, die in Mitteleuropa geboren sind, erkranken seltener als Importpferde, aber auch bei ihnen kommt es vor. Hintergründe zur Isolation der Rasse beschreibt der Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.

Typische Symptome

Das Sommerekzem zeigt sich meist an bestimmten Körperstellen:

  • Mähnenkamm und Schweifrübe: Juckreiz, Scheuern, Haarverlust, verdickte, schuppige Haut.
  • Bauch und Brust: Besonders bei Gnitzen, die dort stechen, entstehen Quaddeln und Krusten.
  • Kopf, Ohren und Widerrist: Auch hier kann es zu Juckreiz und Entzündungen kommen.

Die Pferde reiben sich an Zäunen, Bäumen oder Pfosten. Das führt zu kahlen Stellen, Verletzungen und im schlimmsten Fall zu offenen Wunden, die sich infizieren können. Viele Tiere wirken unruhig, schlafen schlecht und verlieren Kondition. Beim Reiten fällt auf, dass sie abgelenkt sind und sich ständig scheuern wollen.

Diagnose

Ein Tierarzt stellt die Diagnose anhand von Symptomen, Zeitpunkt des Auftretens und Ausschluss anderer Ursachen wie Milben, Pilzen oder Läusen. Bluttests auf Allergene sind möglich, aber nicht immer eindeutig. Wichtig ist, dass ein Tierarzt die Diagnose stellt, denn nicht jeder Juckreiz ist Sommerekzem. Vor dem Kauf solltest du bei der Ankaufsuntersuchung gezielt nach Vorgeschichte fragen; mehr dazu im Beitrag Ankaufsuntersuchung.

Vorbeugung: den Insektenkontakt reduzieren

Der wichtigste Ansatz ist, Stiche zu vermeiden. Gnitzen sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv und halten sich gern in der Nähe von stehenden Gewässern und feuchten Wiesen auf. Maßnahmen:

  1. Ekzemerdecke: Spezielle Decken mit Hals- und Bauchteil schützen vor Stichen. Sie müssen gut passen, damit sie nicht scheuern. Wähle atmungsaktives Material.
  2. Stallhaltung in der Dämmerung: Wenn möglich, bringe Pferde in der Hauptaktivitätszeit der Gnitzen in einen Stall mit engmaschigem Insektennetz oder Ventilator. Gnitzen sind schwache Flieger, Wind hält sie fern.
  3. Weidewahl: Vermeide Weiden in der Nähe von Teichen, Gräben und Wäldern. Trockene, windige Flächen sind besser.
  4. Insektenschutzmittel: Repellents können unterstützen, wirken aber nicht bei allen Pferden zuverlässig. Frage den Tierarzt nach geeigneten Produkten.
  5. Hautpflege: Pflegende Lotionen und Öle können die Haut beruhigen. Lass dich beraten, welche Mittel für dein Pferd geeignet sind.

Medizinische Behandlung

Ein Tierarzt kann je nach Schweregrad Behandlungen vorschlagen. Dazu gehören juckreizstillende Mittel, entzündungshemmende Präparate oder eine Hyposensibilisierung, also eine Immuntherapie, die die Reaktion auf Allergene abschwächen soll. Die Ergebnisse sind unterschiedlich, und nicht jede Behandlung eignet sich für jedes Pferd. Wichtig ist, nichts auf eigene Faust zu geben, besonders keine Medikamente ohne Rücksprache.

Auch Futterzusätze werden angeboten. Ob sie helfen, ist wissenschaftlich nicht immer belegt. Sprich mit deinem Tierarzt, bevor du viel Geld ausgibst.

Haltung und Management

Sommerekzem lässt sich nicht heilen, aber Management und Haltung beeinflussen den Verlauf. Ein ruhiges Umfeld, wenig Stress und gute Pflege sind hilfreich. Folgendes kann helfen:

  • Pferde nicht in der Dämmerung auf nasse Weiden lassen.
  • Weideflächen vor Wind schützen, aber nicht in windstillen Senken.
  • Hautreizungen früh behandeln, bevor sich offene Stellen bilden.
  • Mähne und Schweif nicht stutzen, wenn dort Haut empfindlich ist.

Im Offenstall gelten besondere Anforderungen für Ekzemer: Insektenschutz muss organisiert werden, und die Herde sollte so geführt werden, dass betroffene Pferde nicht gestresst werden. Wie Offenstallhaltung gelingt, beschreibt der Beitrag Offenstall für Islandpferde.

Fütterung und Gewicht

Übergewicht verschlimmert Hautprobleme und belastet den Stoffwechsel. Achte auf eine ausgewogene Ration und vermeide zu viel Zucker. Gutes Heu, ausreichend Mineralstoffe und Spurenelemente unterstützen die Haut. Details zur Fütterung im Beitrag Fütterung und Hufrehe.

Reiten mit Sommerekzem

Pferde mit Ekzem können geritten werden, solange die Haut intakt ist und das Pferd sich wohlfühlt. Offene Stellen unter dem Sattel oder am Gurt sind tabu. Achte auf passende Ausrüstung ohne Druck auf empfindliche Zonen. Hinweise dazu im Beitrag Sattel und Zaumzeug. Reite in den Zeiten, in denen weniger Insekten fliegen, und schütze dein Pferd mit Decke und Repellent.

Kosten und Aufwand

Ein Pferd mit Sommerekzem verursacht zusätzliche Kosten: Decken, Insektenschutz, Hautpflege, tierärztliche Behandlung. Plane das bei der Anschaffung ein. Eine Übersicht liefert der Beitrag Kosten eines Islandpferdes.

Zucht und Vererbung

Eine Veranlagung zum Sommerekzem ist erblich. Züchter berücksichtigen das zunehmend. Wenn du ein Pferd aus Zucht kaufen möchtest, frage nach der Ekzemhistorie der Eltern. Auch Verbände wie der IPZV e. V. informieren über Forschung und Zuchtfragen.

Kurz beantwortet

Kann Sommerekzem ausheilen? Die Allergie bleibt meist bestehen. Mit konsequentem Management lassen sich die Symptome aber stark verringern. Manche Pferde zeigen in manchen Jahren weniger Beschwerden als in anderen.

Hilft Knoblauch oder Bierhefe? Für viele Hausmittel fehlen belastbare Nachweise. Besprich Zusätze mit dem Tierarzt, besonders wenn du hohe Kosten oder Nebenwirkungen vermeiden willst.

Welche Rolle spielt die Weide? Eine große. Gnitzen leben an feuchten Stellen. Weiden mit Wind und ohne stehendes Wasser sind günstiger. Auch die Tageszeit des Weidegangs spielt eine Rolle.

Soll man Ekzemer züchten? Da die Veranlagung erblich sein kann, achten viele Züchter darauf, Tiere mit starken Symptomen nicht zu verwenden. Bei Zuchtfragen beraten Verbände und Tierärzte.

Fazit

Das Sommerekzem ist eine belastende, aber handhabbare Erkrankung. Wer Stiche konsequent vermeidet, Haut pflegt und tierärztlich begleitet wird, kann dem Pferd ein gutes Leben ermöglichen. Wichtig ist, früh zu handeln, Geduld zu haben und das Pferd individuell zu betrachten. So bleibt der Sommer für Pferd und Reiter erträglich.

Bildnachweis: Titelbild von user:Flicka, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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