Sattel und Zaumzeug fürs Islandpferd: Passform, Auswahl und Pflege

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 8 Min. Lesezeit
Fünf Reiter in dunklen Jacken und Helmen reiten nebeneinander auf Islandpferden auf einem Kiesweg

Ein gut sitzender Sattel und ein passendes Zaumzeug sind für Islandpferde keine Nebensache. Gerade wer Tölt reiten möchte, braucht Ausrüstung, die Rücken, Schulter und Maul des Pferdes nicht stört. Schon kleine Fehler im Sitz können den Takt zerstören, Verspannungen auslösen oder Schmerzen verursachen. In diesem Beitrag erfährst du, worauf es bei Passform, Auswahl und Pflege ankommt.

Warum ist die Passform so wichtig?

Der Rücken eines Pferdes ist beim Reiten starken Belastungen ausgesetzt. Ein Sattel, der zu eng, zu weit oder falsch gelegen ist, drückt auf Muskeln und Nerven. Das Pferd reagiert mit Verspannung, Taktfehlern, Unwilligkeit oder Lahmheit. Besonders im Tölt, wo Rücken und Hinterhand sich frei bewegen müssen, spüren Pferde Druckstellen sofort. Wie sich Verspannungen im Gang bemerkbar machen, erklärt der Beitrag Tölt erklärt.

Islandpferde haben häufig einen kurzen, kräftigen Rücken, einen flachen bis mäßigen Widerrist und ausgeprägte Schultermuskulatur. Das macht die Sattelauswahl anspruchsvoll. Standardsättel aus dem Großpferdebereich passen oft nicht. Es gibt spezielle Islandpferdesättel, die auf diese Anatomie abgestimmt sind. Eine Garantie für Passform sind sie nicht, denn jedes Pferd ist individuell.

Sattelarten im Überblick

  • Islandpferdesattel (Töltsattel): Meist mit kürzerer Auflagefläche und Schnitt, der der Schulterfreiheit entgegenkommt. Der Sitz ermöglicht eine aufrechte Haltung.
  • Vielseitigkeits- oder Allroundsattel: Für Freizeit und Gelände geeignet, wenn die Passform stimmt.
  • Distanz- und Wandersättel: Bequem für lange Ritte, oft mit Packtaschenhalterung. Mehr zum Wanderreiten im Beitrag Wanderreiten mit Islandpferden.
  • Westernsättel: Von manchen Reitern für Wanderritte genutzt, aber schwer und nicht für jedes Pferd geeignet.

Welche Sattelart passt, hängt vom Pferd und deinem Reitstil ab. Wichtig ist, dass Pferd und Reiter sich wohlfühlen.

Sattel richtig anpassen

Ein Sattelfachmann, auch Sattler oder Sattelanpasser, prüft die Passform. Folgende Punkte sind entscheidend:

  1. Kammerweite: Der Sattel darf nicht auf dem Widerrist aufliegen. Frei muss genug Raum für die Wirbelsäule sein.
  2. Schulterfreiheit: Die Schulter muss sich frei bewegen können, besonders im Tölt.
  3. Auflagefläche: Der Sattel sollte gleichmäßig aufliegen, ohne Druckspitzen.
  4. Sattellage: Er darf nicht zu weit nach vorn oder hinten rutschen. Der Sattel muss hinter dem Schulterblatt liegen.
  5. Gleichgewicht: Der Reiter sitzt im tiefsten Punkt, nicht vor oder hinter der Mitte.

Das Pferd verändert sich: Muskeln wachsen, das Gewicht schwankt, Fellwechsel beeinflusst die Passform. Lass den Sattel daher regelmäßig kontrollieren, mindestens einmal im Jahr und nach größeren Veränderungen. Im Fellwechsel kann sich die Auflage anders anfühlen; mehr dazu im Beitrag Fellwechsel beim Islandpferd.

Satteldecke und Gurt

Die Satteldecke soll Druck verteilen, keine Falten werfen und nicht scheuern. Schaumstoff- oder Gelpads können helfen, ersetzen aber keinen passenden Sattel. Der Gurt muss weich sein und darf nicht in der Ellenbogenregion scheuern. Besonders bei Pferden mit Sommerekzem sollten Gurt und Decke sehr weich sein, weil die Haut empfindlich ist. Mehr dazu im Beitrag zum Sommerekzem.

Zaumzeug: Trense, Gebiss und Alternativen

Die Wahl des Zaumzeugs beeinflusst Kommunikation und Wohlbefinden. Wichtig sind:

  • Gebiss: Es muss zur Maulgröße und Anatomie passen. Viele Isländer haben ein kleines Maul. Zu dicke oder harte Gebisse stören. Lass die Zähne regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren, denn Zahnprobleme verursachen Widersetzlichkeit.
  • Nasenriemen: Er sollte nicht zu eng sein, damit das Pferd kauen und das Maul öffnen kann.
  • Genickstück: Es darf nicht auf Nerven und Ohren drücken. Weiches Leder oder gepolsterte Varianten sind hilfreich.
  • Gebisslose Zäumungen: Hackamores und Knotenhalfter werden häufig genutzt. Sie sind nicht automatisch sanfter, sondern wirken auf Nase und Kopf. Sie erfordern ebenfalls feine Hilfen.

Ob Gebiss oder gebisslos, ist keine ideologische Frage, sondern eine Frage von Passform, Reitkunst und Pferd. Wichtig ist ein weiches, ruhiges Reiten. Wer lernt, mit leichten Hilfen zu reiten, braucht weniger Einwirkung.

Zügel, Hilfsmittel und Gerten

Zügel sollten griffig, nicht zu dick und von guter Länge sein. Ziel ist eine gleichmäßige, weiche Verbindung zum Maul. Gerten oder Peitschen sind Hilfsmittel, keine Strafe. Sie dürfen nur zur Unterstützung eingesetzt werden. Hilfsmittel wie Ausbinder oder Gummizügel sind kritisch zu sehen. Wenn du sie benutzt, lass dich von einem Trainer beraten.

Ausrüstung kaufen: neu oder gebraucht?

Ein Sattel ist eine größere Investition. Neue Sättel gibt es in verschiedenen Preisklassen. Gebrauchte Sättel sind günstiger, müssen aber unbedingt angepasst werden. Achte auf:

  • Zustand von Baum, Kissen und Leder,
  • Rückgabe- oder Probezeit,
  • Möglichkeit, den Sattel vom Fachmann anpassen zu lassen.

Kaufe nicht aus dem Katalog, ohne das Pferd mit dem Sattel getestet zu haben. Plane auch die Kosten für Anpassung ein. Eine Übersicht zu den Ausgaben bietet der Beitrag Kosten eines Islandpferdes.

Pflege und Sicherheit

  • Reinige Leder und Kunststoff regelmäßig und pflege das Leder mit geeigneten Mitteln.
  • Prüfe Nähte, Steigbügelriemen, Gurte und Schnallen auf Verschleiß.
  • Bewahre Sättel trocken und gut belüftet auf.
  • Nutze Sicherheitssteigbügel und trage immer einen Reithelm.

Ein gepflegter Sattel hält lange, und ein sicheres Equipment verhindert Unfälle.

Anfänger und Ausrüstung

Wer neu mit Islandpferden beginnt, kann sich bei Reitbeteiligungen oft erst einmal die Ausrüstung des Besitzers teilen. Bei eigener Anschaffung lohnt sich Beratung durch Trainer oder Sattler. Die Rolle von Ausbildung und Anleitung beschreibt der Beitrag Islandpferd für Anfänger.

Kurz beantwortet

Wie oft sollte der Sattel kontrolliert werden? Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich Gewicht, Muskulatur oder Fellkleid deutlich verändern. Auch bei Taktproblemen oder Unwillen lohnt eine Kontrolle.

Muss ich mit Gebiss reiten? Nein. Entscheidend sind Passform, Reitweise und das Wohl des Pferdes. Gebisslose Zäumungen sind nicht automatisch schonender; sie wirken an anderen Stellen.

Wie erkenne ich Druckstellen? Typische Hinweise sind weiße Haare, Schwellungen, Trockenstellen im Schweißbild und Schmerzempfindlichkeit beim Abtasten. Bei Verdacht sollten Sattler und Tierarzt prüfen.

Lohnt sich ein Sattel von der Stange? Das hängt vom Pferd ab. Manche Modelle passen mit Anpassung gut, andere nicht. Eine fachkundige Probe auf dem Pferd ist Pflicht.

Fazit

Sattel und Zaumzeug entscheiden mit darüber, ob Pferd und Reiter Freude am Reiten haben. Passform, Anpassung und Pflege sind keine Luxusthemen, sondern Grundlagen guter Reitkunst. Investiere Zeit in die Auswahl, lass dich fachkundig beraten und achte auf Signale deines Pferdes. So legst du die Basis für entspanntes Reiten, sauberen Tölt und ein langes gesundes Pferdeleben.

Bildnachweis: Titelbild von Dagur Brynjólfsson from Hafnarfjordur, Iceland, Lizenz CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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