Wanderreiten ist das Reiten, für das Islandpferde einst gebraucht wurden: lange Strecken durch unwegsames Gelände, mit Gepäck und in Gesellschaft. Heute ist der Wanderritt für viele Reiter ein Highlight, ob als Tagesausflug oder Mehrtagestour. Mit Islandpferden gelingt er besonders gut, weil sie trittsicher, ausdauernd und bequem zu reiten sind. Damit alles klappt, braucht es Planung. Dieser Beitrag zeigt, worauf es ankommt.
Warum eignen sich Islandpferde zum Wanderreiten?
Die Rasse ist für lange Strecken gemacht. Isländer sind genügsam, belastbar und trittsicher. Der Tölt ermöglicht es, auch über viele Stunden relativ bequem zu reiten. Dazu kommt das Herdenverhalten: Pferde laufen gern in der Gruppe und folgen vertrauten Artgenossen. Wie die Rasse entstand und was sie prägt, erklärt der Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.
Planung der Tour
Eine gute Planung ist die halbe Miete. Folgende Punkte solltest du klären:
- Strecke und Tagesetappen: Plane realistisch. Als Faustregel gelten für Freizeitpferde mit geringer Kondition kürzere Etappen, bei trainierten Pferden längere. Berücksichtige Höhenmeter, Boden und Wetter.
- Gelände: Prüfe Wege, Straßen, Furten und Brücken. Wegen der Verkehrssicherheit sollten stark befahrene Straßen möglichst gemieden werden.
- Unterkünfte: Gibt es Pferdepensionen, Wanderreitstationen oder Weiden? Kläre Übernachtung für Pferd und Reiter im Voraus.
- Wasser und Futter: Pferde brauchen unterwegs Zugang zu Wasser. Futterversorgung muss geplant werden, besonders bei mehreren Tagen.
- Notfallplan: Wer ist erreichbar, wo ist der nächste Tierarzt, wie kommst du an Hilfe?
Kondition und Training
Ein Wanderritt belastet Pferd und Reiter. Vor einer Tour sollten beide in Form sein. Das Pferd braucht Muskulatur, Kondition und gesunde Hufe. Trainiere mit regelmäßigen Ausritten, Steigungen und längeren Distanzen. Achte auf Gewicht: Übergewichtige Pferde sind weniger belastbar. Tipps zur Fütterung bietet der Beitrag Fütterung und Hufrehe. Der Reiter sollte ebenfalls fit sein; längere Strecken ermüden Rücken und Beine.
Wer die Gänge sauber trainiert hat, profitiert unterwegs davon. Grundlagen dazu im Beitrag Tölt reiten lernen.
Ausrüstung für Pferd und Reiter
Für das Pferd:
- gut sitzender Sattel mit Packmöglichkeit, siehe Beitrag Sattel und Zaumzeug,
- Halfter und Führstrick, bequemes Zaumzeug,
- gegebenenfalls Hufschuhe für steinige Strecken,
- Weidezaun-Set oder Anbindemöglichkeit,
- Erste-Hilfe-Set für Pferde.
Für den Reiter:
- Reithelm, wetterfeste Kleidung, feste Schuhe,
- Regenschutz, Handschuhe, Sonnenschutz,
- Karte oder Navigationsgerät, Handy mit Powerbank,
- Erste-Hilfe-Set, Taschenmesser, Stirnlampe,
- Verpflegung und ausreichend Wasser.
Pack leicht. Das Gewicht von Reiter und Gepäck sollte im Verhältnis zum Pferd stehen. Verteile Gepäck gleichmäßig und prüfe, dass nichts scheuert.
Regeln im Gelände
Reiten im Wald und in der Natur unterliegt in Deutschland Regeln, die sich nach Bundesland unterscheiden. In manchen Ländern gelten Reitwegekennzeichnungen, Verbote auf bestimmten Wegen oder Plakettenpflicht. Informiere dich vorher bei Forstämtern oder Reitverbänden. Nimm Rücksicht auf Wanderer, Radfahrer und Wildtiere. Halte Abstand zu Weidetieren, schließe Weidetore und hinterlasse keine Spuren. Regionale Vereine im Verband IPZV e. V. kennen oft gute Routen und aktuelle Regeln.
Sicherheit unterwegs
- Gruppe: Reite nicht allein, wenn du unerfahren bist. In einer Gruppe hilft man sich.
- Tempo: Passe es dem schwächsten Pferd an. Lege regelmäßig Schrittpausen ein.
- Pausen: Gib dem Pferd Zeit zum Trinken und Fressen. Locker den Sattelgurt bei längeren Pausen.
- Wetter: Beobachte Wetterberichte. Gewitter, Hitze und Sturm sind Risiken.
- Straßenverkehr: Reite möglichst auf Wegen, trage reflektierende Kleidung und halte dich an die Verkehrsregeln.
- Verhalten bei Gefahr: Bleibe ruhig, steige im Zweifel ab. Erfahrene Isländer sind sehr nervenstark, aber auch sie können erschrecken.
Pflege unterwegs
Kontrolliere täglich Hufe, Rücken, Beine und Allgemeinbefinden. Achte auf Scheuerstellen, Hitze oder Schwellungen. Nach dem Ritt Sattel abnehmen, Rücken abtasten und Pferd putzen. Gib reichlich Wasser und Futter. Wenn das Pferd Anzeichen von Erschöpfung oder Lahmheit zeigt, beende die Etappe. Ein Tierarzt sollte bei unklaren Symptomen hinzugezogen werden.
Wer mehrere Tage reitet, sollte das Pferd auch körperlich beobachten: Gewicht, Fressen, Kot, Verhalten. Veränderungen sind Hinweise auf Überlastung.
Wanderreiten als Gruppe oder gebucht
Wenn du keine eigene Tour planen möchtest, bieten viele Anbieter geführte Wanderritte mit Islandpferden an. Das ist ideal für Einsteiger, weil Strecke, Pferde und Organisation gestellt werden. Achte auf Qualität: Passen Pferde zur Reiterfahrung? Gibt es Gewichtsgrenzen? Wie viele Reiter pro Guide? Wie ist die Haltung der Pferde? Wer ein Pferd kaufen möchte, kann auf solchen Touren herausfinden, ob er Freude an Islandpferden hat. Weitere Hinweise zum Reisen in Island im Beitrag Reiturlaub in Island.
Typische Fehler vermeiden
- Zu lange Etappen am Anfang.
- Unpassende Ausrüstung, besonders Sattel und Gepäck.
- Fehlende Vorbereitung von Pferd und Reiter.
- Zu wenig Pausen und Wasser.
- Schlechte Planung bei Unterkünften.
Kurz beantwortet
Wie weit kann ich an einem Tag reiten? Das hängt von Kondition, Gelände, Wetter und Pferd ab. Gewöhne dich langsam an längere Etappen und beobachte, wie sich dein Pferd erholt.
Brauche ich Hufschuhe? Für viele barhuf laufende Pferde sind sie auf steinigen Strecken sinnvoll. Probiere Hufschuhe vorher aus, damit sie sitzen und nicht scheuern.
Wie sichere ich Pferde nachts? Mit Elektrozaun, Paddock oder Weide, je nach Unterkunft. Stelle sicher, dass Wasser und Futter zugänglich sind und dass alle Pferde gut mit der Gruppe zurechtkommen.
Darf ich überall reiten? Nein. Reitregelungen sind Ländersache und können Wege, Zeiten und Kennzeichnung betreffen. Informiere dich vorab bei den zuständigen Stellen.
Fazit
Wanderreiten mit Islandpferden verbindet Naturerlebnis, Gemeinschaft und Reitkunst. Mit guter Planung, passender Ausrüstung, Training und Rücksicht entsteht ein Abenteuer, das Pferd und Reiter noch lange in Erinnerung bleibt. Starte mit kurzen Touren, sammle Erfahrung und erweitere Schritt für Schritt.
Bildnachweis: Titelbild von Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo portfolio, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



