Wer einmal ein Islandpferd geritten hat, will meist irgendwann auch die Insel sehen, von der es kommt. Und tatsächlich ist eine Reise nach Island für viele Reiter so etwas wie eine Heimkehr zu den Wurzeln ihres Pferdes.
Vor Ort begegnest du Islandpferden fast überall: auf Weiden an der Ringstraße, in Herden auf den Hochflächen, vor Höfen im Norden. Was viele überrascht, sind die Regeln, die hinter diesem Bild stehen. Hier erfährst du, wie die Pferde in Island leben, warum keines zurückkehren darf und wie du sie am besten erlebst.
Pferde in Island: eine geschlossene Population
Island hat seit Jahrhunderten eine der strengsten Pferderegeln der Welt. Bereits im Mittelalter wurde die Einfuhr von Pferden auf die Insel verboten, und an diesem Grundsatz hat sich bis heute nichts geändert.
Die Folge ist eine Population, die über viele Generationen isoliert geblieben ist. Mehr über diese lange Geschichte liest du in unserem Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.
Für die Pferde bedeutet das vor allem eines: Viele Krankheiten, die in Europa verbreitet sind, kommen auf der Insel nicht vor. Die Tiere haben deshalb auch keine Abwehr dagegen aufgebaut. Ein einziger eingeschleppter Erreger könnte großen Schaden anrichten.
Warum ein exportiertes Pferd nie zurückkehrt
Aus demselben Grund gilt: Ein Islandpferd, das die Insel einmal verlassen hat, darf nicht wieder einreisen. Das gilt auch für Turnierpferde, die nur für eine Weltmeisterschaft ins Ausland fliegen.
Für Züchter ist der Export deshalb immer eine endgültige Entscheidung. Für Käufer in Deutschland hat er eine weitere Seite: Pferde, die in Island aufgewachsen sind, kennen die Kriebelmücken nicht, die das Sommerekzem auslösen.
Wer ein importiertes Pferd hält, sollte die Risiken kennen. Unser Ratgeber zum Sommerekzem beim Islandpferd erklärt Ursachen, Symptome und Vorbeugung.
Was Reiter bei der Einreise beachten müssen
Auch Menschen tragen ihren Teil zum Schutz bei. Gebrauchte Reitkleidung, Stiefel und Handschuhe müssen vor der Einreise gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Gebrauchtes Sattel- und Zaumzeug aus dem Ausland darf grundsätzlich nicht mitgebracht werden.
Am einfachsten ist es, neue oder frisch gewaschene Kleidung einzupacken und Sattel, Trense und Helm vor Ort zu leihen. Die meisten Reitbetriebe stellen die Ausrüstung ohnehin.
Prüfe die aktuellen Vorgaben der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST, bevor du fliegst. Die Regeln werden ernst genommen, auch am Flughafen.
Wo du Islandpferde in Island siehst
Pferde stehen fast überall auf der Insel, besonders auf den Weiden im Süden und Norden. Viele Reisende halten an der Ringstraße an, um sie zu fotografieren.
Bitte bleib dabei auf der Straße und am Zaun. Die Weiden sind Privatgelände, und die Pferde sollten nicht gefüttert werden. Ein freundlicher Abstand ist besser für Tier und Mensch.
Als Pferderegion gilt vor allem Skagafjörður im Norden. Hier gibt es viele Zuchthöfe, und im Herbst finden traditionelle Abtriebe statt, bei denen die Herden aus dem Sommer im Hochland zurück ins Tal geholt werden.
Reiten auf Islandpferden in ihrer Heimat
Das schönste Erlebnis ist natürlich, selbst im Sattel zu sitzen. Das Angebot reicht von einstündigen Ausritten in der Nähe von Reykjavík bis zu mehrtägigen Touren durchs Hochland mit Handpferden.
Bei längeren Ritten wechseln die Reiter oft mehrmals am Tag das Pferd. Eine Herde läuft frei mit, so bleiben die Pferde frisch. Das Tempo ist zügig, und wer den Tölt sicher sitzt, hat mehr davon.
Tipps zur Auswahl eines Anbieters, zum Niveau und zur Ausrüstung findest du in unserem Artikel über Reiturlaub in Island.
Zuchtschauen, Turniere und das Landsmót
Wer Islandpferde auf höchstem Niveau sehen will, plant die Reise um eine Veranstaltung herum. Im Frühjahr und Sommer finden auf der ganzen Insel Zuchtschauen statt, bei denen junge Pferde nach Gebäude und Gängen beurteilt werden.
Der Höhepunkt ist das Landsmót, das große nationale Pferdefestival, das in der Regel alle zwei Jahre stattfindet. Eine Woche lang treffen sich dort Züchter, Reiter und Zuschauer aus vielen Ländern.
Auch kleinere regionale Turniere lohnen sich. Sie sind entspannter, und man kommt leichter mit Reitern ins Gespräch.
Die beste Reisezeit für Pferdefreunde
Der Sommer von Juni bis August ist die Hauptsaison für Wanderritte. Die Tage sind lang, und das Hochland ist zugänglich.
Der September ist für viele die spannendste Zeit. Dann kommen die Herden zurück, und auf den Abtrieben geht es lebhaft zu. Im Winter sind kurze Ausritte im Süden möglich, oft mit Schnee und tiefem Licht.
Die Reise rund um die Pferde planen
Eine Islandreise besteht natürlich nicht nur aus Sattelzeit. Wasserfälle, heiße Quellen, Fahrten über die Ringstraße und die Nächte mit Nordlicht gehören für die meisten dazu.
Für die Planung lohnt sich ein Blick in praktische Reiseführer. Auf NRF findest du Islandreisen-Tipps zu Ringstraße, Nordlicht und Tagesausflügen, die sich gut mit ein paar Reittagen verbinden lassen. Die Seite ist auf Englisch, aber übersichtlich.
Plane die Reittage am besten zuerst und baue die übrige Reise darum herum. Gute Touren sind im Sommer früh ausgebucht.
Kurz zusammengefasst
In Island leben die Pferde in einer geschlossenen Population, die seit Jahrhunderten geschützt wird. Kein exportiertes Pferd darf zurück, und auch Reiter tragen mit sauberer Ausrüstung zum Schutz bei.
Wer das respektiert, erlebt die Islandpferde genau dort, wo ihre Geschichte begann: auf weiten Weiden, im Hochland und im Sattel auf einer Tour, die man nicht so schnell vergisst.
Titelbild: Moyan Brenn, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



