Islandpferde sind Meister der Futterverwertung. In Island kommen sie mit wenig Nahrung aus und legen im Sommer Reserven an. In unseren Breiten, wo Gras üppig und zuckerreich wächst, wird das zum Problem. Viele Isländer sind übergewichtig, und das erhöht das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Hufrehe. In diesem Beitrag erfährst du, wie du dein Pferd bedarfsgerecht fütterst und Krankheiten vorbeugst. Er ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Warum sind Isländer Leichtfuttrer?
Die Rasse ist über Jahrhunderte durch natürliche Auslese geprägt worden: Pferde, die mit wenig Futter überlebten und im Sommer Fettreserven aufbauten, hatten Vorteile. Das Ergebnis ist ein sehr effizienter Stoffwechsel. Was in Island nützlich war, führt bei Überangebot zu Übergewicht. Mehr zum Hintergrund liefert der Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.
Übergewicht ist nicht nur ein Schönheitsproblem. Es belastet Gelenke, Herz und Kreislauf und erhöht das Risiko für das Equine Metabolische Syndrom (EMS), eine Stoffwechselstörung, die mit Insulinresistenz und Hufrehe zusammenhängt.
Wie erkenne ich Übergewicht?
Ein Blick auf die Waage reicht nicht. Besser ist die Beurteilung des Körperzustands (Body Condition Score) durch Tasten und Ansehen:
- Rippen sollten bei leichtem Druck tastbar sein.
- Der Mähnenkamm sollte weich sein, nicht hart und dick.
- Fettpolster an Schweifansatz, Schulter und Kruppe sind Warnzeichen.
- Eine „Rinne" auf dem Rücken, durch Fett an den Seiten, deutet auf Übergewicht hin.
Wiege dein Pferd regelmäßig oder miss den Bauchumfang, um Veränderungen zu erkennen. Wenn du unsicher bist, frage den Tierarzt. Hinweise zu Größe und Gewicht liefert auch der Beitrag Größe und Lebenserwartung.
Die Basis: Raufutter
Pferde brauchen viel Raufutter, aber nicht zu energiereich. Gutes Heu ist die Grundlage der Fütterung. Es sollte staubfrei, sauber und schimmelfrei sein. Für Islandpferde gilt:
- Heu in ausreichender Menge, aber ohne Überfütterung. Orientierung bieten oft etwa 1,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts an Trockenmasse pro Tag; bei Übergewicht kann der Tierarzt eine Reduktion empfehlen, nie abrupt und nie unter eine Mindestmenge.
- Heu in Intervallen oder Heunetzen. Das verlängert die Fresszeit und verhindert lange Pausen.
- Stroh als Ergänzung. Gutes Stroh kann einen Teil der Ration ersetzen, ohne viele Kalorien zu liefern. Der Tierarzt oder ein Futterberater sagt, ob das für dein Pferd passt.
- Heuanalyse. Wer unsicher ist, kann Heu im Labor untersuchen lassen, besonders den Zuckergehalt.
Weide: Segen und Risiko
Weidegang ist wichtig für Bewegung und Wohlbefinden, aber Gras kann viel Zucker (Fruktane) enthalten, besonders im Frühjahr und Herbst, bei Sonne und kalten Nächten. Um das Risiko zu senken:
- Weidezeiten begrenzen, zum Beispiel mit Fressbremse oder Anweiden in Etappen.
- Weide nicht überstocken, kurzes, gestresstes Gras meiden.
- Morgens wenig Gras fressen lassen, wenn die Nacht kalt war.
- Auf abgegraste Flächen oder Paddocks mit Heufütterung ausweichen.
- Neue Weiden langsam anweiden.
Im Offenstall wird oft mit begrenzten Weidezeiten und Heu gearbeitet. Wie das organisatorisch funktioniert, beschreibt der Beitrag zum Offenstall.
Kraftfutter: meist unnötig
Die meisten Freizeit-Islandpferde brauchen kein Kraftfutter. Es liefert Energie, die oft nicht gebraucht wird. Kraftfutter kann sinnvoll sein bei Sportpferden, in der Aufzucht, bei Stuten mit Fohlen oder bei untergewichtigen Tieren. Auch dann sollte es zuckerarm und stärkearm sein. Besser sind Ergänzungsfuttermittel mit Mineralstoffen und Spurenelementen. Frage den Tierarzt oder Futterberater, welches Produkt zu deinem Pferd passt.
Mineralstoffe und Wasser
Gutes Heu liefert nicht alle Nährstoffe. Mineralfutter ist daher oft nötig, abgestimmt auf die Grundfutterration und die Gegebenheiten vor Ort. Salz sollte stets zugänglich sein, am besten als Leckstein. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein, im Winter frostfrei.
Hufrehe: Was ist das?
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut. Bei akuter Rehe lösen sich Bindungen zwischen Hufbein und Hufkapsel, das Pferd hat starke Schmerzen und lahmt. In schweren Fällen kann das Hufbein rotieren oder absinken. Hufrehe ist ein Notfall: Bei Verdacht sofort den Tierarzt rufen.
Typische Hinweise sind:
- Pferd steht gestreckt oder entlastet die Vorderbeine,
- starke Pulsation an den Fesselarterien,
- warme Hufe,
- Lahmheit, besonders auf hartem Boden,
- Unwilligkeit, sich zu bewegen.
Als Ursachen kommen Stoffwechselstörungen (EMS, Cushing), Überfütterung, zuckerreiches Gras, Vergiftungen oder Infektionen in Frage. Islandpferde zählen zu den Rassen, die bei ungünstiger Fütterung ein erhöhtes Risiko haben.
Vorbeugung
- Gewicht kontrollieren und Übergewicht langsam abbauen.
- Zuckerarmes Heu füttern, Weide dosieren.
- Regelmäßig bewegen, auch bei Weidegang.
- Auf Hufpflege achten: Hufpfleger oder Schmied alle sechs bis acht Wochen.
- Bei Verdacht auf EMS Blutuntersuchung beim Tierarzt veranlassen.
- Stress und plötzliche Futterumstellungen vermeiden.
Auch beim Pferdekauf lohnt ein Blick auf Körperzustand und Hufe. Anzeichen wie Rehe-Ringe oder ein kräftiger Mähnenkamm sollten bei der Ankaufsuntersuchung angesprochen werden. Mehr dazu im Beitrag Ankaufsuntersuchung.
Bewegung als Teil der Fütterung
Futter und Bewegung hängen zusammen. Ein Pferd, das viel läuft, verbraucht mehr Energie. Regelmäßiges Training in Schritt, Trab und Tölt hält fit und unterstützt den Stoffwechsel. Tipps zum Training im Beitrag Tölt reiten lernen.
Kurz beantwortet
Wann soll ich anweiden? Langsam und in kleinen Schritten, besonders im Frühjahr. Starte mit kurzen Weidezeiten und steigere sie über mehrere Wochen, wenn das Pferd gesund und normalgewichtig ist.
Darf ein übergewichtiges Pferd abnehmen? Ja, aber behutsam. Abruptes Hungern ist gefährlich. Besprich den Plan mit dem Tierarzt und kombiniere angepasste Fütterung mit Bewegung.
Hilft eine Fressbremse? Sie kann den Weidegang begrenzen, ohne dass das Pferd ganz ausgeschlossen wird. Achte darauf, dass sich das Pferd langsam daran gewöhnt und kein Stress entsteht.
Was tun bei Verdacht auf Hufrehe? Sofort den Tierarzt rufen, das Pferd nicht zwingend bewegen und auf weichem Boden stehen lassen, bis Hilfe da ist. Hufrehe ist ein Notfall.
Fazit
Isländer sind genügsam, und genau das erfordert Aufmerksamkeit. Wer Heu, Weide und Mineralfutter bedarfsgerecht plant, Gewicht kontrolliert und Anzeichen von Stoffwechselstörungen früh erkennt, schützt sein Pferd vor Rehe und anderen Problemen. Besprich Fütterungspläne mit dem Tierarzt, besonders wenn dein Pferd Vorerkrankungen hat oder deutlich zu viel wiegt.
Bildnachweis: Titelbild von cogdogblog, Lizenz CC0, via Wikimedia Commons.jpg).

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



