Islandpferd für Anfänger: Für wen die Rasse wirklich passt

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 7 Min. Lesezeit
Zwei Reiter auf Islandpferden traben im Schnee entlang einer geräumten Bahn vor einem Nadelwald

Viele Menschen, die mit dem Reiten beginnen oder nach Jahren zurückkehren, landen beim Islandpferd. Die Tiere wirken freundlich, handlich und gemütlich. Und tatsächlich bringen sie viele Eigenschaften mit, die Einsteigern entgegenkommen. Gleichzeitig ist ein Isländer kein Plüschpferd: Er ist selbstbewusst, empfindsam und braucht klare Kommunikation. Dieser Beitrag hilft dir einzuschätzen, ob ein Islandpferd zu dir passt – und worauf du als Anfänger achten solltest.

Was für Islandpferde spricht

Handliche Größe. Mit einem Stockmaß von meist 130 bis 145 Zentimetern sind Isländer leicht zu satteln, zu pflegen und zu führen. Auch wer sich vor großen Pferden fürchtet, fühlt sich schnell wohl. Details zu Größe und Gewicht gibt der Beitrag zu Größe und Lebenserwartung.

Trittsicherheit und Ausdauer. Ausritte im Gelände machen mit Isländern besonders viel Spaß. Sie gelten als trittsicher und ausdauernd, was gerade für Freizeitreiter wertvoll ist.

Bequeme Gangarten. Viele Islandpferde beherrschen den Tölt, einen Viertaktgang ohne Schwebephase. Er fühlt sich weich an und schont den Rücken des Reiters. Für Anfänger kann das ein großer Vorteil sein, weil sie sich leichter im Sattel entspannen. Wie der Tölt funktioniert, erklärt der Beitrag Tölt erklärt.

Menschenbezug. Islandpferde suchen oft aktiv den Kontakt, sind neugierig und lernen schnell. Der Alltag im Stall ist mit ihnen meist angenehm.

Wo Anfänger aufpassen sollten

Isländer sind klein, aber nicht automatisch einfach. Drei Punkte sollte man kennen:

  1. Temperament. Viele Tiere sind lebhaft und gehen gern vorwärts. Wer unsicher ist, braucht ein ausgebildetes, ruhiges Pferd und Unterstützung durch einen Trainer. Mit dem Wesen der Rasse befasst sich der Rasse-Überblick.
  2. Eigenständigkeit. Ein Isländer probiert aus, wie weit er gehen kann. Fehlt klare Führung, übernimmt er das Kommando.
  3. Gangarten. Das Reiten im Tölt will gelernt sein. Wer Gleichgewicht und Hilfen noch nicht sicher beherrscht, sollte nicht auf ein hochveranlagtes Gangpferd steigen, sondern auf ein erfahrenes Schulpferd oder einen routinierten Verlasspartner.

Das richtige Pferd für Einsteiger

Als Anfänger wählst du am besten kein junges, unausgebildetes Tier, sondern ein erfahrenes, gut ausgebildetes Pferd mit gefestigtem Charakter. Gute Merkmale sind:

  • ein Alter ab etwa acht bis zehn Jahren, sofern gesund,
  • verlässliches Verhalten im Gelände und im Umgang,
  • regelmäßige Nutzung durch Freizeitreiter, idealerweise durch Anfänger,
  • unauffällige Gesundheitsbefunde.

Schau dir ein Pferd mehrfach an, beobachte, wie es sich im Alltag verhält, und lasse es unter verschiedenen Bedingungen reiten. Ein erfahrener Trainer sollte mitkommen. Wie der Kaufprozess abläuft, erklärt der Kaufratgeber. Eine tierärztliche Untersuchung ist Pflicht, siehe dazu Ankaufsuntersuchung.

Reitunterricht und Anleitung

Auch das beste Pferd ersetzt keinen guten Unterricht. Gerade wenn du später Tölt reiten willst, lohnt sich ein Trainer mit Erfahrung im Gangpferdereiten. In Deutschland gibt es viele Reitställe und Vereine, die in der Islandpferdeszene aktiv sind; eine Orientierung bieten die regionalen Vereine im Dachverband IPZV e. V.. Dort findest du auch Lehrgänge und Abzeichen.

Planst du den Einstieg über eine Reitbeteiligung, kläre vorher mit Besitzerin oder Besitzer, was erwartet wird: Zeiten, Kosten, Verantwortung. Eine Reitbeteiligung ist eine gute Möglichkeit, ohne die laufenden Kosten eines eigenen Pferdes Erfahrung zu sammeln. Was ein eigenes Pferd kostet, zeigt der Beitrag zu den Kosten.

Ausrüstung für den Start

Zur Grundausrüstung gehören ein passender Reithelm, Reitstiefel oder -schuhe mit Absatz, eventuell Handschuhe, und wetterfeste Kleidung. Sattel und Zaumzeug stellt bei Reitbeteiligungen meist der Besitzer. Wer später ein eigenes Pferd hat, sollte beim Sattelkauf auf Passform achten. Hinweise dazu gibt der Beitrag zu Sattel und Zaumzeug.

Typische Anfängerfehler

  • Zu schnell zu viel wollen. Ein Pferd braucht Zeit, sich an einen neuen Reiter zu gewöhnen.
  • Verspannt im Sattel sitzen. Das stört den Tölt und macht das Pferd unruhig.
  • Futter vernachlässigen. Isländer nehmen leicht zu. Wie du dein Pferd richtig fütterst, erfährst du im Beitrag zu Fütterung und Hufrehe.
  • Hilfen unklar geben. Isländer sind sensibel und verstehen kleine Signale. Lieber ruhig und klar als laut und grob.

Kinder und leichte Erwachsene

Auch für Kinder gibt es geeignete Isländer, wenn Größe, Temperament und Ausbildung zum Reiter passen. Eltern sollten darauf achten, dass das Pferd nicht „zu schnell" für das Kind ist. Gut ist ein ruhiger Wallach, der gelassen auf Ausritten bleibt. Ob ein Erwachsener zum Pferd passt, hängt von Gewicht, Fitness und Reiterfahrung ab; eine fachkundige Einschätzung lohnt sich.

Kurz beantwortet

Sollte ein Anfänger ein junges Islandpferd kaufen? Davon raten Fachleute meist ab. Junge Pferde brauchen erfahrene Ausbildung. Für Einsteiger ist ein gesundes, charakterlich gefestigtes Pferd im mittleren Alter besser.

Reicht eine Reitbeteiligung zum Lernen? Sie ist ein guter Einstieg, wenn Absprachen klar sind und eine erfahrene Person unterstützt. Vor dem eigenen Pferd klärt sie, ob dir Pflege, Stalldienste und Zeitaufwand liegen.

Kann ich als Anfänger gleich Tölt reiten? Ein sicherer Sitz im Schritt und Trab ist die Voraussetzung. Manche Pferde tölten von selbst, aber sauberer Tölt entsteht durch Gleichgewicht und Ruhe, nicht durch Tempo.

Wie viel Unterricht ist sinnvoll? Am Anfang regelmäßig, am besten wöchentlich, später je nach Bedarf. Entscheidend ist eine Trainerin oder ein Trainer, der mit Gangpferden Erfahrung hat.

Praxistipp: Besuche vor dem Kauf einen Reiterhof oder Stall mit Isländern und schau beim Unterricht zu. So bekommst du ein Gefühl für Temperament, Tempo und Alltag. Frage dort auch nach Probestunden oder Schnupperkursen, damit du nicht nur zuschaust, sondern selbst im Sattel erlebst, wie sich ein Islandpferd anfühlt.

Fazit

Islandpferde können hervorragende Pferde für Einsteiger sein – wenn das einzelne Tier gut ausgebildet, gesund und gelassen ist und du Unterstützung beim Lernen hast. Wer sich Zeit nimmt, mehrere Pferde kennenzulernen, und realistisch plant, findet einen Partner fürs Leben. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, hilft dir der Beitrag zu den fünf Gangarten weiter.

Bildnachweis: Titelbild von Paula Jantunen, Finland, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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