Islandpferd kaufen: Der Ratgeber für die richtige Entscheidung

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 7 Min. Lesezeit
Ein graues Islandpferd mit wehender Mähne steht frontal auf einem steinigen Weg unter bewölktem Himmel

Ein Islandpferd zu kaufen ist eine der schönsten, aber auch folgenreichsten Entscheidungen im Leben eines Reiters. Wer sich ein Pferd zulegt, übernimmt Verantwortung für ein Lebewesen, das 25 Jahre und älter werden kann. Der Markt ist groß, die Preise schwanken, und nicht jedes Angebot hält, was die Anzeige verspricht. Mit einer strukturierten Vorgehensweise vermeidest du typische Fehler. Dieser Ratgeber führt dich von der ersten Idee bis zur Eingewöhnung.

Schritt 1: Das Wunschprofil klären

Bevor du Anzeigen durchstöberst, schreibe auf, was du suchst und wofür. Hilfreiche Fragen:

  • Wofür möchtest du das Pferd nutzen? Freizeit und Ausritte, Wanderreiten, Sport, Zucht?
  • Wie erfahren bist du? Anfänger brauchen ein ruhiges, gut ausgebildetes Pferd. Unterstützung gibt der Beitrag Islandpferd für Anfänger.
  • Welche Gänge sind dir wichtig? Viergänger mit sauberem Tölt reichen den meisten. Fünfgänger sind eher etwas für Sportler. Hintergrund: Fünf Gangarten.
  • Wie alt und wie groß soll das Pferd sein? Details zu Größe und Lebenserwartung stehen im Beitrag Größe und Lebenserwartung.
  • Wie hoch ist dein Budget? Berücksichtige Anschaffung und laufende Kosten. Eine Übersicht liefert der Beitrag zu den Kosten.

Schritt 2: Wo suchen?

Pferde werden über viele Wege angeboten: Online-Börsen, Züchter, Reitställe, Vereine, Empfehlungen aus der Szene. Jeder Weg hat Vor- und Nachteile. Wo du seriöse Angebote findest und woran du unseriöse Verkäufer erkennst, erklärt der Beitrag Islandpferde kaufen: Wo suchen?. Verbände wie der IPZV e. V. vermitteln Kontakte zu regionalen Vereinen und Züchtern.

Schritt 3: Das erste Kennenlernen

Wenn du ein interessantes Pferd gefunden hast, vereinbare einen Termin. Plane mehr Zeit ein, als du für nötig hältst. Achte auf folgende Punkte:

  1. Verhalten im Umgang: Wie reagiert das Pferd beim Putzen, Führen, Hufe geben, Verladen? Ist es entspannt oder nervös?
  2. Stallumgebung: Wie wird das Pferd gehalten? Hat es Kontakt zu anderen Pferden? Wirkt der Stall gepflegt?
  3. Körperlicher Gesamteindruck: Ernährungszustand, Fell, Hufe, Augen und Nase, Haltung im Stand.
  4. Bewegung: Schau zuerst zu, wie das Pferd geritten wird, bevor du selbst aufsteigst.

Bring möglichst eine erfahrene Person mit, die das Pferd unvoreingenommen beurteilt, etwa einen Trainer. Emotionen können den Blick verzerren.

Schritt 4: Probereiten

Reite das Pferd mehrmals, möglichst unter verschiedenen Bedingungen: auf dem Platz, im Gelände, mit und ohne Begleitung. Achte darauf, ob das Pferd Gänge sauber zeigt, wie es auf Hilfen reagiert und ob es sich im Gelände verlässlich verhält. Der Tölt sollte ein klarer Viertakt sein; Hinweise zur Beurteilung gibt der Beitrag Tölt erklärt. Beobachte auch, wie das Pferd nach dem Reiten aussieht: schwitzt es stark, wirkt es unwohl oder verspannt?

Schritt 5: Papiere und Herkunft

Ein Pferd braucht einen Equidenpass mit Chip-Nummer. Bei Islandpferden mit Zuchtpapieren bestätigt dieser die Abstammung. Prüfe:

  • Stimmen Name, Geburtsdatum, Abzeichen und Chipnummer mit dem Pferd überein?
  • Gibt es Eintragungen zu Impfungen und Medikamenten?
  • Ist der Verkäufer tatsächlich der Eigentümer?

Seriöse Verkäufer legen Papiere offen. Zögert jemand, ist Vorsicht geboten. Weitere Informationen zur Zucht und Registrierung bieten die Verbände.

Schritt 6: Ankaufsuntersuchung (AKU)

Vor dem Kauf solltest du das Pferd tierärztlich untersuchen lassen. Diese Ankaufsuntersuchung deckt Risiken auf, die man nicht sieht. Es gibt verschiedene Umfänge, und die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem Tierarzt fallen. Genaueres erklärt der Beitrag Ankaufsuntersuchung beim Islandpferd. Wähle einen Tierarzt, der unabhängig vom Verkäufer ist.

Schritt 7: Kaufvertrag

Auch bei freundlichen Verkäufern solltest du alles schriftlich festhalten. Ein Kaufvertrag enthält mindestens:

  • Daten von Käufer und Verkäufer,
  • Pferd mit Name, Alter, Abzeichen, Chipnummer,
  • Kaufpreis und Zahlungsmodalitäten,
  • Zusicherungen zu Gesundheit, Eigenschaften und Verwendung,
  • Regelung zur Übergabe und Haftung.

Beim Kauf von einem gewerblichen Händler gelten für Verbraucher die Regeln des Verbrauchsgüterkaufs mit gesetzlicher Gewährleistung; bei privaten Verkäufern kann die Gewährleistung vertraglich ausgeschlossen werden. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung. Bei größeren Summen oder Unklarheiten lohnt sich ein kurzer Rat von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt.

Schritt 8: Transport und Eingewöhnung

Plane den Transport sorgfältig: Hänger, Fahrer, Pausen, Wasser. Der Transport ist für Pferde Stress. Gib dem Tier danach Zeit, anzukommen. Eine neue Umgebung, neue Herde und ein neuer Besitzer sind viel Veränderung. Bleib in den ersten Wochen ruhig, reite nicht zu viel und beobachte Fress- und Trinkverhalten.

Bei der Haltung stehen verschiedene Systeme zur Wahl. Eine Möglichkeit ist der Offenstall; wichtig ist, dass das Pferd Kontakt zu Artgenossen hat.

Typische Fehler beim Pferdekauf

  • Zu schnell entscheiden: Emotionen führen zu Fehlkäufen.
  • Aufs Aussehen achten: Farbe und Mähne sind keine Qualitätsmerkmale. Wie vielfältig die Rasse aussieht, zeigt der Beitrag über Islandpferde-Farben.
  • Auf AKU verzichten: Das kann teuer werden.
  • Zu wenig Budget einplanen: Anschaffung ist nur ein Teil der Kosten.
  • Nur auf Gänge achten: Wesen, Gesundheit und Ausbildung zählen ebenso.

Kurz beantwortet

Wie viele Pferde sollte ich vor dem Kauf ansehen? Eine feste Zahl gibt es nicht. Viele Käufer sehen mehrere Pferde, bis sie Vergleichswerte haben. Wichtig ist, nicht aus Zeitdruck zu entscheiden.

Soll ich ein Pferd mit Vorerkrankung kaufen? Das kann sinnvoll sein, wenn die Erkrankung bekannt, kontrollierbar und im Preis berücksichtigt ist und du die Folgekosten tragen kannst. Lass dich tierärztlich beraten.

Was gehört in die Probezeit? Eine Probezeit ist nicht üblich, kann aber vereinbart werden. Dann sollten Versicherungsschutz, Kosten und Haftung schriftlich geregelt sein.

Was ist mit Kaufberatern? Erfahrene Trainer oder Berater können helfen, Pferde objektiver zu beurteilen. Achte darauf, dass sie unabhängig vom Verkäufer arbeiten und nicht von Provisionen leben.

Fazit

Ein Islandpferd zu kaufen verlangt Zeit, Geduld und Sorgfalt. Wer sein Profil klärt, mehrere Pferde ansieht, ausführlich probereitet und eine Ankaufsuntersuchung durchführen lässt, hat gute Chancen auf einen verlässlichen Partner. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und lass dich von erfahrenen Personen begleiten. Wie das Pferd später gehalten wird, entscheidet mit darüber, wie lange es gesund bleibt – dazu mehr in unserem Beitrag zur Fütterung.

Bildnachweis: Titelbild von Ashley98lee, Lizenz CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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