Die Frage, wo man ein Islandpferd kaufen kann, hat viele Antworten: Anzeigenportale, Zuchtbetriebe, Reitställe, Vereine, Messen oder Empfehlungen aus der Szene. Die Auswahl ist groß, und das ist Chance und Risiko zugleich. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Wege es gibt, wie du Angebote prüfst und woran du unseriöse Verkäufer erkennst. Wenn du erst am Anfang stehst, lies zuerst unseren Kaufratgeber.
Die wichtigsten Wege im Überblick
Online-Börsen und Anzeigenportale
Pferdeportale und Kleinanzeigen bieten die größte Auswahl. Du findest Islandpferde in allen Preisklassen und Regionen. Vorteil: Du kannst Angebote leicht vergleichen. Nachteil: Qualität und Seriosität schwanken stark. Fotos und Beschreibungen sagen wenig über Charakter und Gesundheit aus. Betrüger nutzen Portale gelegentlich für Vorkasse-Maschen. Gehe deshalb nie in Vorleistung, ohne das Pferd gesehen zu haben.
Züchter
Bei Züchtern kaufst du häufig junge Pferde mit bekannter Abstammung. Gute Züchter kennen Eltern und Vorfahren, achten auf Gesundheit und Charakter und beantworten Fragen offen. Ein Besuch im Zuchtbetrieb zeigt, wie die Pferde aufwachsen. Junge Pferde sind für Anfänger meist nicht geeignet, weil sie Ausbildung brauchen. Zur Orientierung bei Zucht und Registrierung dienen die Verbände wie der IPZV e. V..
Reitställe und Ausbilder
Viele Ausbilder bilden Pferde aus und vermitteln sie weiter. Vorteil: Das Pferd ist schon geritten und kann beurteilt werden. Achte darauf, ob der Ausbilder ehrlich über Stärken und Schwächen informiert.
Vereine und Netzwerke
Regionale Islandpferdevereine, Stammtische und Gruppen sind gute Anlaufstellen. Hier kennen sich Leute, und Pferde wechseln oft innerhalb der Szene. Empfehlungen sind wertvoll, sollten aber trotzdem geprüft werden.
Auktionen, Messen und Verkaufsveranstaltungen
Verkaufsveranstaltungen bieten die Möglichkeit, mehrere Pferde an einem Ort zu sehen. Es kann schnell hektisch werden, und Entscheidungen unter Zeitdruck sind riskant. Nimm dir Zeit und ziehe Beratung hinzu.
Verkaufspferd oder Auslandskauf?
Auch aus dem Ausland werden Islandpferde angeboten. Beim Kauf aus Island oder anderen Ländern kommen Transport, Einfuhrbestimmungen und Quarantäne ins Spiel. Außerdem ist die Besichtigung schwieriger. Hier gilt besonders: Nie ohne persönliche Besichtigung oder Begleitung durch eine vertrauenswürdige Person kaufen. Auch rechtliche Fragen sind komplizierter. Weitere Hintergründe zur Rasse und ihrer Herkunft stehen im Beitrag zur Geschichte des Islandpferdes.
Woran du ein seriöses Angebot erkennst
Folgende Merkmale sprechen für Seriosität:
- Der Verkäufer beantwortet Fragen ehrlich und ausführlich.
- Du darfst das Pferd mehrfach besichtigen und probereiten.
- Papiere liegen vor: Equidenpass, Chipnummer, eventuell Zuchtpapiere.
- Eine Ankaufsuntersuchung durch einen unabhängigen Tierarzt wird akzeptiert. Mehr dazu im Beitrag Ankaufsuntersuchung.
- Der Verkäufer drängt nicht und akzeptiert Bedenkzeit.
- Es gibt einen schriftlichen Kaufvertrag.
Warnsignale
Vorsicht ist geboten, wenn:
- der Preis auffällig niedrig ist,
- der Verkäufer Vorkasse verlangt oder Druck macht („Es gibt noch andere Interessenten"),
- keine Besichtigung möglich ist oder das Pferd „zufällig" bewegt wurde,
- Papiere fehlen oder nicht zum Pferd passen,
- Fragen zu Gesundheit ausweichend beantwortet werden,
- das Pferd auffällig ruhig oder müde wirkt (Hinweis auf Beruhigungsmittel),
- der Verkäufer keine AKU zulässt.
Wenn dein Bauchgefühl Zweifel meldet, nimm es ernst. Kein Pferd ist so einzigartig, dass man bei Warnzeichen kaufen müsste.
Anzeigen richtig lesen
Anzeigen sind oft von Marketing geprägt. Typische Formulierungen und was sie bedeuten können:
- „Familienpferd" – kann geeignet sein, muss aber überprüft werden.
- „Anfängersicher" – ein dehnbarer Begriff; probiere es aus.
- „Gängig" oder „töltstark" – das Pferd hat Veranlagung; die Qualität prüfst du beim Reiten. Zur Beurteilung hilft der Beitrag Tölt erklärt.
- „Abgabe aus Zeitgründen" – kann ehrlich sein, ist aber manchmal Hinweis auf Probleme.
Frage immer nach Gründen für den Verkauf, nach Vorgeschichte und Gesundheit. Ehrliche Verkäufer erzählen gern.
Probereiten und Besichtigung planen
Vereinbare mehrere Termine, möglichst zu unterschiedlichen Zeiten. Beobachte, wie das Pferd im Alltag ist: beim Putzen, Führen, Hufegeben und Verladen. Reite auf Platz und im Gelände. Nimm eine erfahrene Person mit. Notiere dir nach jedem Besuch Eindrücke und Fragen. So kannst du vergleichen, wenn du mehrere Pferde besichtigst.
Kosten im Blick behalten
Beim Suchen ist der Kaufpreis nur eine Zahl. Plane Ausgaben für Untersuchung, Transport und laufende Kosten ein. Eine Übersicht bietet der Beitrag Kosten eines Islandpferdes. Wer langfristig denkt, vermeidet Fehlentscheidungen aus Preisgründen.
Reitbeteiligung als Einstieg
Wenn du unsicher bist, kann eine Reitbeteiligung helfen, Erfahrungen mit Islandpferden zu sammeln. Du lernst Alltag, Pflege und Charakter kennen, ohne dich langfristig zu binden. Für viele Reiter ist das der beste Weg, um herauszufinden, welcher Pferdetyp passt. Einstiegstipps liefert der Beitrag Islandpferd für Anfänger.
Kurz beantwortet
Sind Online-Anzeigen grundsätzlich unseriös? Nein, es gibt viele ehrliche Angebote. Entscheidend ist, dass du jedes Pferd persönlich kennenlernst, Papiere prüfst und nicht in Vorleistung gehst.
Wie finde ich einen guten Züchter? Frage in Vereinen und bei Trainern nach Empfehlungen, besuche den Betrieb und lass dir Eltern und Aufzucht zeigen. Gute Züchter beantworten Fragen offen und drängen nicht.
Was bedeutet „Verlasspferd"? Der Begriff beschreibt ein zuverlässiges, ruhiges Pferd. Er ist nicht geschützt, deshalb sollte man das Verhalten im Alltag selbst prüfen.
Soll ich ein Pferd aus dem Ausland kaufen? Das kann klappen, ist aber aufwendiger. Transport, Papiere, Einfuhrregeln und Besichtigung müssen sorgfältig geplant werden.
Praxistipp: Lege dir eine einfache Vergleichstabelle an, zum Beispiel auf Papier oder im Handy. Notiere pro Pferd Alter, Ausbildungsstand, Eindruck im Umgang, Gesundheitsfragen, Preis und offene Punkte. Nach mehreren Besuchen siehst du schneller, welches Pferd wirklich zu dir passt – und welche Angebote vor allem gut klingen.
Fazit
Islandpferde findest du über viele Wege, doch seriöse Angebote erkennst du an Offenheit, Papieren und Transparenz. Nimm dir Zeit, vergleiche mehrere Pferde und lass dich nicht unter Druck setzen. Wer sorgfältig sucht, findet ein Pferd, das zu ihm passt – und hat Freude für viele Jahre.
Bildnachweis: Titelbild von Marc-Lautenbacher, Lizenz CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



