Islandpferde sind für ihre Gangarten berühmt. Während die meisten Reitpferde Schritt, Trab und Galopp beherrschen, kommen bei vielen Isländern zwei weitere hinzu: Tölt und Pass. Wer sich mit der Rasse beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Viergänger, Fünfgänger oder Töltpferd. Dieser Beitrag erklärt die fünf Gangarten Schritt für Schritt, ordnet sie ein und zeigt, worauf es beim Reiten ankommt.
Überblick: Takt, Schwebephase, Tempo
Gangarten unterscheiden sich vor allem durch ihren Takt, also wie viele Hufschläge man hört, und durch die Schwebephase, in der kein Huf den Boden berührt. Dazu kommt das Tempo, das in jeder Gangart variieren kann.
- Schritt: Viertakt, keine Schwebephase
- Tölt: Viertakt, keine Schwebephase
- Trab: Zweitakt (diagonal), mit Schwebephase
- Galopp: Dreitakt, mit Schwebephase
- Pass: Zweitakt (lateral), im Rennpass mit Schwebephase
Schritt
Der Schritt ist der langsamste Gang, ein gleichmäßiger Viertakt ohne Schwebephase. Die Hufschlagfolge ist hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts. Islandpferde zeigen im Schritt oft einen großen Raumgriff. Der Schritt dient zum Aufwärmen, Abkühlen und für die Verständigung zwischen Reiter und Pferd. Auf Ausritten ist er die Basis für Entspannung.
Trab
Im Trab bewegen sich diagonale Beinpaare gleichzeitig: vorne links mit hinten rechts und umgekehrt. Es ist ein Zweitakt mit Schwebephase. Der Trab ist beim Isländer meist kräftig und federnd. Anders als bei vielen großen Reitpferden fällt er oft kürzer und aktiver aus. Manche Tiere zeigen einen sehr schwungvollen Trab, den Reiter leichttraben oder aussitzen.
Galopp
Der Galopp ist ein Dreitakt mit Schwebephase. Er wird in Linksgalopp oder Rechtsgalopp ausgeführt, je nachdem, welches Beinpaar vorne liegt. Islandpferde galoppieren gern, sind aber keine Rennpferde. Im Gelände ist Galopp ein Vergnügen, setzt aber Gleichgewicht und Kontrolle voraus. Auch im Turniersport gibt es Prüfungen, in denen der Galopp bewertet wird.
Tölt
Der Tölt ist der Gang, der Islandpferde berühmt gemacht hat. Er ist ein Viertakt wie der Schritt, aber das Tempo kann von langsam bis sehr schnell reichen. Es gibt keine Schwebephase: Mindestens ein Huf berührt immer den Boden. Dadurch läuft das Pferd sehr weich, und der Reiter spürt kaum Erschütterung. Der Tölt ist daher für lange Ritte, aber auch für Reiter mit empfindlichem Rücken beliebt.
Typisch ist die Körperhaltung: Das Pferd trägt den Hals aufgerichtet, die Vorderbeine heben sich deutlich, und der Rücken schwingt. Wie die Bewegung genau abläuft, welche Fehler es gibt und was ein guter Tölt ist, erklärt der Beitrag Tölt erklärt. Wer ihn reiten lernen möchte, findet Tipps im Beitrag Tölt reiten lernen.
Pass
Der Pass ist die fünfte Gangart und wird nur von manchen Islandpferden gezeigt. Er ist ein Zweitakt, bei dem die Beine einer Körperseite gleichzeitig vor- und zurückschwingen: vorne links mit hinten links, dann vorne rechts mit hinten rechts. Im Rennpass entsteht eine Schwebephase, und das Tempo kann sehr hoch werden. Der Pass verlangt Gleichgewicht, Mut und eine gute Ausbildung. Mehr dazu im Beitrag Rennpass und Pass.
Viergänger und Fünfgänger
In der Islandpferdeszene unterscheidet man:
- Viergänger: Pferde, die Schritt, Trab, Galopp und Tölt zeigen. Sie bilden die Mehrheit.
- Fünfgänger: Pferde, die zusätzlich den Pass beherrschen. Sie sind seltener und besonders im Sport gefragt.
- Passpferde und Töltpferde werden gelegentlich als Begriffe für Spezialisten verwendet.
Ob ein Pferd Pass oder Tölt zeigt, hängt von Veranlagung, Ausbildung und Gleichgewicht ab. Das Gen für die Gangveranlagung wird vererbt, aber nicht jedes Pferd zeigt alle Gänge ohne Training. Diese Unterschiede spielen beim Pferdekauf eine Rolle. Worauf du achten solltest, steht im Kaufratgeber.
Warum Islandpferde diese Gänge zeigen
Die besondere Gangveranlagung ist vermutlich über Jahrhunderte durch Zucht gefördert worden, weil sie auf langen Strecken ohne Straßen große Vorteile bot. Eine Rolle spielt die Genetik: Forschungsarbeiten haben ein Gen identifiziert, das mit der Fähigkeit zu Pass und Tölt in Verbindung gebracht wird. Wie die Geschichte der Rasse dazu beitrug, beschreibt der Beitrag über die Geschichte des Islandpferdes.
Gangarten im Alltag und Sport
Im Alltag nutzen Freizeitreiter den Tölt auf Wegen, den Schritt zur Erholung, den Trab und Galopp für Beschleunigung. Im Sport sieht das anders aus. Dort gibt es Prüfungen wie Töltprüfungen, Viergangprüfungen, Fünfgangprüfungen und Passrennen. Die Regeln legt in Deutschland der IPZV e. V. fest, international gelten Vorgaben der Föderation FEIF.
Reiten und Ausbildung
Wer die Gangarten sauber reiten will, braucht ein gutes Gleichgewicht, ausgewogene Hilfen und Zeit. Wichtig ist, Takt und Losgelassenheit im Schritt und Trab aufzubauen, bevor man schneller wird. Zu viel Druck führt schnell zu Verspannungen und Taktfehlern. Eine Begleitung durch Trainer mit Gangpferde-Erfahrung ist empfehlenswert.
Auch Ausrüstung kann eine Rolle spielen. Ein passender Sattel und ein Zaumzeug, das das Pferd nicht stört, sind Voraussetzung für gute Gänge. Hinweise dazu liefert der Beitrag zu Sattel und Zaumzeug.
Kurz beantwortet
Welche Gangart ist die bequemste? Viele Reiter empfinden den Tölt als besonders sitzfreundlich, weil keine Schwebephase entsteht. Wie bequem er wirklich ist, hängt aber von Takt, Losgelassenheit und Reiter ab.
Kann jedes Islandpferd tölten? Die Veranlagung ist weit verbreitet, aber nicht gleich stark ausgeprägt. Manche Pferde tölten von selbst, andere brauchen Ausbildung, und einige bleiben eher Trabgänger.
Woran erkenne ich Fünfgänger? Sie zeigen zusätzlich zum Viergang den Pass. Im Zweifel hilft der Blick in Zuchtunterlagen oder Turnierergebnisse, und natürlich das Probereiten mit einem erfahrenen Trainer.
Wie schnell darf ein Isländer gehen? Tempo ist eine Frage von Kondition, Gleichgewicht und Boden. Wer Rennpass oder starken Tölt reitet, sollte Pferd und Strecke gut kennen.
Fazit
Die fünf Gangarten machen den Reiz des Islandpferdes aus. Schritt, Trab und Galopp kennt jeder Reiter, Tölt und Pass sind das Besondere. Wer das Wesen der Gänge versteht, reitet entspannter und bewusster. Weitere Grundlagen zur Rasse findest du im Beitrag Islandpferde: Herkunft, Wesen und Merkmale.
Bildnachweis: Titelbild von Jónas R Jónsson, Lizenz CC BY 3.0, via Wikimedia Commons.

Über Jana Eriksen
Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.



