Rennpass und Pass beim Islandpferd: Die schnellste Gangart

Jana Eriksen

Jana Eriksen

· 7 Min. Lesezeit
Ein mausfalbes Islandpferd läuft mit Reiter in dunkler Jacke auf einem Turnierplatz, im Hintergrund stehen Zuschauer

Wer Islandpferde auf Turnieren sieht, hört irgendwann das Wort „Pass". Es steht für die schnellste und anspruchsvollste Gangart der Rasse. Der Pass ist ein Zweitakt mit seitlichem Beinpaar-Muster, im Rennpass kann er sehr schnell werden. Nicht jedes Islandpferd beherrscht ihn, und ihn zu reiten verlangt viel Gefühl. Dieser Beitrag erklärt, was Pass ist, wie er sich vom Tölt unterscheidet und worauf es bei Ausbildung und Haltung ankommt.

Was ist Pass?

Pass ist ein Zweitakt, bei dem die Beine einer Körperseite gleichzeitig bewegt werden: zuerst vorne links und hinten links, dann vorne rechts und hinten rechts. Man spricht deshalb von einem lateralen Gang. Im Rennpass entsteht zwischen den Hufschlägen eine Schwebephase, in der alle vier Beine in der Luft sind. Daher klingt der Rennpass rasch und gleichmäßig, wie ein Galopp im Zweitakt.

Pass wird nur von manchen Islandpferden gezeigt. Pferde, die ihn zusätzlich zu Schritt, Trab, Galopp und Tölt beherrschen, nennt man Fünfgänger. Mehr zur Einteilung steht im Beitrag Fünf Gangarten.

Pass und Tölt im Vergleich

Tölt und Pass sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, haben aber ganz unterschiedliche Abläufe:

  • Tölt: Viertakt, keine Schwebephase, weiche Bewegung. Wie er funktioniert, erklärt der Beitrag Tölt erklärt.
  • Pass: Zweitakt, lateral, im Rennpass mit Schwebephase, schnell und athletisch.

Während der Tölt auch im niedrigen Tempo geritten werden kann, ist der Pass vor allem als Renngang bekannt. Er ist deutlich anstrengender für Pferd und Reiter und verlangt Gleichgewicht und Muskulatur.

Rennpass im Sport

Im Sport gibt es eigene Passrennen. Gängige Disziplinen sind Wettkämpfe über kurze Strecken, die mit fliegendem oder stehendem Start gelaufen werden. Die Tiere erreichen dabei ein sehr hohes Tempo, das weit über dem Durchschnitt anderer Gangarten liegt. Zeiten werden gemessen, und Reiter müssen das Pferd im Takt halten, damit es im Pass bleibt und nicht in den Galopp fällt.

Dabei gelten besondere Anforderungen:

  • sicherer Boden und eine geeignete Bahn,
  • gute Aufwärmphase,
  • ein trainiertes Pferd mit stabiler Muskulatur,
  • ein Reiter, der Gleichgewicht und Timing beherrscht.

Regeln und Turniertermine findest du bei den Verbänden, in Deutschland beim IPZV e. V., international bei der Föderation FEIF.

Fünfgänger in Zucht und Haltung

Die Fähigkeit zum Pass ist erblich, aber nicht allein von der Veranlagung abhängig. Auch Körperbau, Training und Gleichgewicht spielen eine Rolle. Züchter achten bei Fünfgängern auf Gesundheit, Gangqualität und Charakter. Wer ein Pferd kauft, sollte bedenken, dass der Pass nur dann Freude macht, wenn das Pferd ihn sicher beherrscht. Hinweise dazu findest du im Kaufratgeber.

Nicht jeder Käufer braucht einen Fünfgänger. Viele Freizeitreiter sind mit einem soliden Viergänger glücklich, der sicher im Tölt geht. Ein Fünfgänger kann sich lohnen, wenn du Sport reiten oder züchten möchtest. Die höheren Kosten für Ausbildung und Training gehören dann zur Planung, siehe dazu Kosten eines Islandpferdes.

Ausbildung zum Passpferd

Die Ausbildung zum Passpferd ist anspruchsvoll. Wichtig sind:

  1. Gesunde Basis: Zuerst müssen Schritt, Trab, Galopp und Tölt sauber sitzen.
  2. Lockerheit: Verspannte Pferde laufen schlecht im Pass und neigen zu Taktfehlern.
  3. Kondition: Der Pass beansprucht Rücken, Hinterhand und Gelenke stark.
  4. Reitergefühl: Der Reiter muss das Gleichgewicht halten und darf das Pferd nicht stören.

Gerade in der Anfangsphase ist professionelle Anleitung wichtig. Fehler in der Ausbildung können zu Verspannungen und Schmerzen führen. Wer sich zuerst mit dem Tölt beschäftigt, hat eine gute Grundlage; passende Übungen beschreibt der Beitrag Tölt reiten lernen.

Gesundheit und Belastung

Der Pass ist eine intensive Belastung. Muskulatur, Sehnen und Gelenke müssen gut trainiert sein. Zu frühes oder zu hartes Training kann zu Verletzungen führen. Deshalb gilt:

  • ausreichend Aufwärmen und Abkühlen,
  • gelenkschonender Boden,
  • Pausen und Regenerationszeiten,
  • regelmäßige Kontrolle durch Tierarzt und Hufpfleger,
  • passende Ausrüstung, vor allem ein gut sitzender Sattel.

Wer ein Pferd im Sport einsetzt, sollte vor dem Kauf eine gründliche Untersuchung machen lassen. Was dazugehört, steht im Beitrag zur Ankaufsuntersuchung.

Ist Pass etwas für Freizeitreiter?

Für Freizeitreiter ist der Rennpass in der Regel nicht notwendig. Viele genießen den Tölt, ohne je Pass zu reiten. Wer den Pass ausprobieren möchte, sollte das nur auf geeigneten Strecken und mit einem erfahrenen Pferd tun. Auf unebenem Gelände oder Straßen ist Rennpass ungeeignet.

Das Erlebnis, im Pass zu fliegen, begeistert viele Reiter. Gleichzeitig sollte das Pferd nicht überfordert werden. Gute Reiter achten auf Zeichen von Ermüdung und beenden die Einheit rechtzeitig.

Kurz beantwortet

Ist Pass gefährlich für Pferd und Reiter? Er ist anspruchsvoll, aber nicht grundsätzlich gefährlich. Risiken entstehen durch Tempo, schlechten Boden, Überforderung und mangelnde Ausbildung.

Kann jedes Islandpferd Pass lernen? Nein. Die Veranlagung muss vorhanden sein, und selbst Pferde mit Anlage brauchen Training, Balance und Zeit. Pferde ohne Passanlage sollte man nicht zwingen.

Wie unterscheide ich Pass von Passtölt? Der Passtölt ist ein Taktfehler im Tölt. Der Pass dagegen ist eine eigene Gangart im Zweitakt. Wer unsicher ist, lässt sich von einem Trainer die Hufschlagfolge zeigen.

Praxistipp: Wenn du Passrennen sehen möchtest, lohnt sich ein Besuch bei einem Turnier der Islandpferdeszene. Beobachte, wie Reiter und Pferde sich aufwärmen, wie ruhig die Tiere nach dem Start sind und wie die Teams mit Pausen umgehen. Das vermittelt ein gutes Gefühl dafür, wie sorgfältig die Vorbereitung sein muss.

Fazit

Der Pass ist die seltenste und schnellste Gangart des Islandpferdes. Er verlangt Veranlagung, Ausbildung, Training und Gefühl. Für Sportreiter ist er eine spannende Herausforderung, für Freizeitreiter oft eine nette Zugabe. Wichtig ist, dass das Pferd gesund bleibt und der Reiter die Verantwortung für Tempo und Belastung ernst nimmt.

Bildnachweis: Titelbild von Dagur Brynjólfsson from Hafnarfjordur, Iceland, Lizenz CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons.

Jana Eriksen

Über Jana Eriksen

Jana Eriksen schreibt für IcelandHorse Shop über Islandpferde – von Rasse und Gangarten bis zu Haltung, Kauf und Reisen. Ihr Anspruch: geprüfte Informationen in verständlicher Sprache, ohne Schönfärberei.

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